Am Freitag, dem 26.6.2026, geben sich zahlreiche Paare in Deutschland das Ja-Wort. Die Nachfrage nach diesem einprägsamen Datum war enorm, wie eine stichprobenartige Umfrage der dpa zeigt. Vielerorts waren die Termine bereits Monate im Voraus ausgebucht. In Berlin-Neukölln etwa waren innerhalb einer Stunde alle freien Slots vergeben. Die Stadt Frankfurt meldet ebenfalls „ausgebucht“, und auch München hat keine freien Kapazitäten mehr. In Berlin bietet der Bezirk Mitte sogar eine „lange Nacht der Eheschließungen“ an, um zusätzliche Trauungen zu ermöglichen.
Kirchliche Alternativen und ungewöhnliche Orte
Für Paare, die spontan heiraten möchten, bietet die evangelische Kirche die Aktion „Einfach Heiraten 2026“ an. Voraussetzung: eine standesamtliche Urkunde und mindestens ein evangelischer Partner. Trauungen sind dann an außergewöhnlichen Orten möglich – etwa im gläsernen Turm einer Skisprungschanze in Oberstdorf, einer Kapelle am Frankfurter Flughafen oder einer historischen Straßenbahn in Krefeld.
Warum Schnapszahlen so beliebt sind
Bereits zum 6.6.2026 gab es eine erhöhte Nachfrage. Beate Tripp vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten erklärt: „Viele Paare verbinden mit der Schnapszahl den Wunsch, dass das markante Datum ihnen Glück bringt.“ Der häufigste Grund sei jedoch die leichte Merkbarkeit des Datums, sodass die Gefahr geringer sei, den Hochzeitstag zu vergessen. Zudem mache sich eine Schnapszahl gut auf der Einladung. Auch der 26.2.2026 war stark nachgefragt, obwohl der Februar kein klassischer Heiratsmonat ist. Beliebt sind vor allem die Monate Mai bis September, im Dezember gibt es noch einmal ein Nachfragehoch aus steuerlichen Gründen.
Besondere Locations im Trend
Immer mehr Paare wünschen sich einen außergewöhnlichen Rahmen für ihre Trauung. „Es wird inzwischen in Schlössern, auf Burgen oder in Museen geheiratet“, so Tripp. „Dies hat auch damit zu tun, dass viele Paare nicht mehr kirchlich heiraten.“ Auch im Feuerwehrhaus oder im Stadion wurden bereits Ringe getauscht.
Langfristiger Rückgang der Heiratszahlen
Trotz der hohen Nachfrage an diesem Tag sinkt die Zahl der Eheschließungen langfristig. 2024 wurden in Deutschland 349.200 Ehen geschlossen – der niedrigste Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 1950. Gut 97 Prozent der Ehen wurden von Paaren unterschiedlichen Geschlechts geschlossen, knapp 3 Prozent von gleichgeschlechtlichen Paaren. Mehr als drei Viertel (79 Prozent) der Heiratenden taten dies zum ersten Mal.
Immer weniger Verheiratete
Laut Statistischem Bundesamt sinkt der Anteil der Verheirateten seit Jahren kontinuierlich. Ende 2024 war knapp jede zweite erwachsene Person in Deutschland verheiratet, 30 Jahre zuvor waren es noch rund 60 Prozent. Das Durchschnittsalter bei der ersten Heirat steigt: 2024 waren Frauen im Schnitt 32,9 Jahre alt, Männer 35,3 Jahre. 1994 lag das Durchschnittsalter der Frauen bei 27,1 Jahren, der Männer bei 29,4 Jahren.
Ehen halten länger
Auch die Ehedauer bis zur Scheidung nimmt zu: 2024 betrug sie durchschnittlich 14,7 Jahre, 1994 waren es 12,0 Jahre. Der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger führt die sinkende Bindungsbereitschaft auf gesellschaftliche Unsicherheiten zurück: „In solchen Zeiten sinkt die Bindungsbereitschaft. Die gesellschaftliche Atmosphäre schlägt immer auf das individuelle Leben durch.“
„Geprüfte Beziehungen“ als Trend
Gleichzeitig seien Ehen heute besser, da später geheiratet werde. „Man ist erwachsen, hat bereits Berufserfahrungen gemacht, man kennt sich eine Weile, man lebt zusammen. Das heißt, wir haben sogenannte geprüfte Beziehungen“, so Krüger. Diese unterschieden sich erheblich von früheren Ehen, da die Entscheidung heute aus freien Stücken falle. „Man kann sagen, heute heiratet man aus Liebe.“



