Schafe in der Alexandrowka: Geigenbauer wird Schäfer in Potsdam
Schafe in der Alexandrowka: Geigenbauer wird Schäfer

Ein ungewöhnlicher Nebenjob in der Alexandrowka

Das laute Blöken der Schafe übertönt für einen kurzen Moment den anhaltenden Verkehrslärm vom nahegelegenen Reiterweg. Auf den historischen Obstwiesen der russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam grasen derzeit 32 Schafe unter den Kirsch- und Apfelbäumen. Seit dem Frühjahr ist die kleine Herde von Valentin Oelmüller für die natürliche Beweidung dieser besonderen Flächen zuständig. Wöchentlich ziehen die Tiere in verschiedene abgesteckte Bereiche der weitläufigen Gärten um. Wenn Oelmüller die Schafe mit Kraftfutter lockt, setzt ein wildes Rennen und lautes Blöken ein, das die Aufmerksamkeit der Besucher sofort auf sich zieht.

Valentin Oelmüller: Geigenbauer und Hirt zugleich

Valentin Oelmüller ist eigentlich Geigenbauer mit einer Leidenschaft für barocke Instrumente. In seiner Werkstatt in Potsdam fertigt und restauriert er Violinen, Celli und andere historische Streichinstrumente. Doch nun hat er eine zusätzliche Aufgabe übernommen: die Pflege der Schafherde in der Alexandrowka. Die Tiere übernehmen eine wichtige ökologische Aufgabe, indem sie die Wiesen kurz halten und so zur Erhaltung der historischen Kulturlandschaft beitragen. Diese Art der Landschaftspflege ist ideal für die Gärten der Alexandrowka, die als UNESCO-Weltkulturerbe geschützt sind. Die Schafe fressen nicht nur das Gras, sondern auch unerwünschte Kräuter und tragen so zur Biodiversität bei.

Historische Kulisse für moderne Landschaftspflege

Die russische Kolonie Alexandrowka wurde im 19. Jahrhundert erbaut und ist bekannt für ihre traditionellen Holzhäuser und die weitläufigen Obstgärten. Die Beweidung mit Schafen ist eine Rückbesinnung auf alte Bewirtschaftungsmethoden, die perfekt zum historischen Charakter des Ensembles passen. Besucher bleiben oft stehen, um den Tieren zuzusehen, und viele ziehen ihre Handys, um Fotos zu machen. Die Herde besteht aus verschiedenen Rassen, die besonders gut für die extensive Beweidung geeignet sind. Oelmüller betreut die Tiere mit großer Hingabe und kennt jedes Schaf persönlich. Er betont, dass die Arbeit mit den Tieren eine willkommene Abwechslung zu seiner feinmotorischen Tätigkeit als Geigenbauer darstellt.

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Ein Beitrag zum Umweltschutz und zur Kulturpflege

Die natürliche Beweidung durch Schafe ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch kosteneffizient. Sie ersetzt den Einsatz von Maschinen und reduziert den CO2-Ausstoß. Zudem fördert sie die Artenvielfalt, da durch den Verbiss und den Tritt der Tiere Lebensräume für Insekten und Kleintiere entstehen. Die Alexandrowka profitiert von dieser nachhaltigen Pflege, die gleichzeitig das historische Erbe bewahrt. Oelmüller hofft, dass sein Projekt Schule macht und auch andere historische Gärten auf natürliche Beweidung setzen. Für ihn ist die Schafhaltung eine Herzensangelegenheit, die Tradition und Moderne verbindet. Wer durch die Alexandrowka spaziert, wird künftig nicht nur die russischen Holzhäuser bewundern, sondern auch das idyllische Bild der grasenden Schafe genießen können.

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