Hunderte protestieren mit Schwimm-Demo gegen Badeverbot in der Spree
Schwimm-Demo gegen Spree-Badeverbot: Hunderte springen in den Fluss

Hunderte Menschen sind am Sonnabend an der Berliner Museumsinsel in die Spree gesprungen, um gegen das seit 101 Jahren geltende pauschale Badeverbot zu protestieren. Bei Temperaturen über 30 Grad und leicht bewölktem Himmel verwandelte sich die Flusskulisse in eine improvisierte Badestelle. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer forderten vom Senat, das Verbot aufzuheben und mehr öffentliche Bademöglichkeiten zu schaffen.

Protest mit kreativen Accessoires

Rund um den Schinkelplatz versammelten sich Menschen mit Schwimmbojen, kleinen Booten, Badebekleidung und selbstgemalten Schildern. Die Freundinnen Ines Bublath (54) und Simone, die nur ihren Vornamen nennen möchte, trugen selbst gestaltete Hüte mit der Aufschrift „Spree frei“ und einem kleinen Gummialligator. „Für mich ist es wichtig, dass alle die Möglichkeit haben zu schwimmen, um sich abzukühlen und ihre Stimmung zu verbessern“, sagte Bublath dem Tagesspiegel. „Die Stadt wird immer heißer, und die Menschen haben einfach keine Möglichkeit, sich zu erfrischen.“

Die Steuerfachangestellte aus Gatow kritisierte zudem die mangelhafte Infrastruktur öffentlicher Bäder: „Öffentliche Schwimmbäder sind oft kaputt und geschlossen. Danach dauert es Jahre, bis sie wieder öffnen. In Gatow war das Freibad im Sommer immer überfüllt. Jetzt ist es seit drei Sommern geschlossen.“ Sie könne immerhin an der Havel spazieren gehen – ein Luxus, den Menschen im Umkreis der Museumsinsel nicht hätten.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kurze Wege statt langer Fahrten

Ingenieur Ricardo Sentler (32) aus Kreuzberg betonte den Wunsch nach kurzen Wegen: „An so einem Tag wäre ein kurzer Sprung in die Spree – morgens oder am späten Nachmittag – perfekt, um sich abzukühlen. Ich möchte keine halbe oder ganze Stunde zu einem Gewässer fahren.“ Sentler hatte eine zehnminütige Fahrradtour zum Fluss einer 15 Kilometer langen Autofahrt zu einem See vorgezogen. Auf die Wasserqualität angesprochen, zeigte er sich gelassen: „Man konnte sehen, dass es etwas schmutzig war, aber nicht so schlimm. Die Spree ist nicht dreckiger als die Badeseen.“

Paul Fander (30) aus Wedding präsentierte ein Schild mit der Aufschrift „Das ist nun ein Bundesbad!“ und forderte, die Spree solle keine Bundeswasserstraße mehr sein, sondern ein „Bundesfreibad“ werden. „Es ist einfach logisch, dass dieses alte Verbot abgeschafft wird, damit alle hier schwimmen können“, sagte Fander. Er stellte das Argument der Gefahr durch Schiffsverkehr infrage: „Über 50.000 Menschen leben in der Umgebung. Wem gehört diese ‚Bundeswasserstraße‘? Den Touristinnen, Touristen und Museumsbesuchern?“

Musikalische Unterstützung und Senatsforderung

Musikalische Unterstützung erhielt der Protest durch die Matronkas, einen Frauenchor von der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern. Traditionell in Rot gekleidet, hatten sie slawische Lieder umgedichtet. Chorleiterin Chris Bokemeyer erklärte: „Das erste Lied handelt eigentlich von der Sava, einem kroatischen Fluss, und wir haben es für die Spree umgeschrieben – als Ode an den Fluss. Eine Zeile lautet: ‚Wie wunderbar, dass die Spree hier fließt und die schönsten Mädchen der Welt direkt an ihren Ufern leben‘.“

Der in Berlin geborene Rentner Bruno Schmidt (77) war eigens aus Werder (Havel) angereist, um den Senat unter Druck zu setzen. „Ich finde es wunderbar, im Fluss zu baden. Wenn man die Anzahl der Berlinerinnen und Berliner sowie die Zahl der Hallen- und Freibäder betrachtet, ist es eindeutig nicht möglich, dass alle versorgt werden“, sagte Schmidt. „Ich hoffe, der Senat bleibt vernünftig und dieser Vorschlag wird angenommen.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration