Der Plot vieler Shakespeare-Komödien eignet sich hervorragend zur Demenz-Prophylaxe, denn das Entwirren der Verwicklungen ist echtes Gehirnjogging. In diesem Sommer setzen die Berliner Freiluftbühnen auf den britischen Meister: Das Globe Berlin, das Monbijou Theater und die Shakespeare Company Berlin eröffnen die Saison mit Stücken wie „Was ihr wollt“ und der „Komödie der Irrungen“.
„Was ihr wollt“: Ein Verwirrspiel mit Aktualität
Das Globe Berlin bringt „Was ihr wollt“ am 4. Juli zur Premiere. Die Komödie erzählt von Viola, die nach einem Schiffbruch in Illyrien strandet und sich als Mann Cesario verkleidet. Sie verliebt sich in Herzog Orsino, der jedoch die Gräfin Olivia begehrt – die wiederum in Cesario vernarrt ist. Künstlerischer Leiter Christian Leonard bezeichnet das Stück als „vielschichtigste und brisanteste Shakespeare-Komödie überhaupt“ und sieht darin aktuelle Konflikte gespiegelt, aber auch „eine Sehnsucht nach Vereinigung und Befriedung“. Das Motto der Spielzeit lautet „Flucht & Frieden“.
Regie führt der britische Shakespeare-Spezialist Ben Crystal, bekannt für seine „Quick Raise“-Methode, bei der Inszenierungen in Rekordtempo entstehen. Dies entspricht sowohl Shakespeares Zeiten als auch der Situation des Globe, das noch auf einer provisorischen Bühne in Charlottenburg spielt. Laut Schauspieler und Geschäftsführer Anselm Lipgens stehen die Verhandlungen über die Spielgenehmigung kurz vor dem Abschluss, und es gebe „eine klare Absichtserklärung“ des Bezirks, den Bau des Globe-Theaters voranzutreiben – das seit zehn Jahren in Einzelteilen einlagert.
Monbijou Theater: Frivole Gaudi mit Shakespeare
In Mitte eröffnet das Monbijou Theater die Saison ebenfalls mit „Was ihr wollt“, gefolgt vom „Sommernachtstraum“. Regisseur Brian Bell setzt mit sechs Schauspielern in Mehrfachrollen auf die typische, volksnah-frivole Gaudi und unterschlägt nicht die schweinische Bosheit Shakespeares. Der eitle Haushofmeister Malvolio wird per Briefstreich dazu gebracht, sich in gelben Strümpfen vor Olivia zum Volltrottel zu machen – laut Autor die „ärmste Sau der Komödienliteratur“.
Shakespeare Company Berlin: Doppelte Verwechslungen
Die Shakespeare Company Berlin widmet sich im Theater am Insulaner der „Komödie der Irrungen“ (Regie: Christian Schramm). Hier geht es um zwei Zwillingspaare: die Brüder Antipholus und ihre Diener Dromio, die nach einem Schiffbruch getrennt werden und Jahre später in Ephesus aufeinandertreffen. Das sechsköpfige Ensemble spielt 14 Rollen und sorgt für Situationskomik, während Shakespeare als scharfsinniger Spötter über Identitätskonstrukte und die große Liebe sichtbar wird. Ein Zitat lautet: „Ich bin in dieser Welt ein Wassertropfen, der einen anderen Tropfen sucht – im Meer.“
Wer den Plot der „Komödie der Irrungen“ mit all seinen Wendungen und Verwechslungen nachvollziehen kann, muss sich um geistigen Verfall keine Sorgen machen – ein ideales Gehirnjogging für den Sommer.



