Beim McDonald's Burger Dialog in Köln-Kalk waren sich CDU, SPD und Grüne am Donnerstagabend einig: Die soziale Herkunft darf in Deutschland nicht über den weiteren Lebensweg entscheiden. Paul Ziemiak (CDU), Jochen Ott (SPD) und Tim Achtermeyer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) diskutierten mit Rapper Eko Fresh, der selbst in Kalk aufwuchs, über die Hindernisse und Wege zum sozialen Aufstieg.
Einigkeit beim Ziel, Uneinigkeit beim Weg
Alle drei Politiker betonten, dass sozialer Aufstieg nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit sei, sondern auch im wirtschaftlichen Eigeninteresse der Gesellschaft liege. Eko Fresh, dessen Vater als Gastarbeiter nach Deutschland kam, beschrieb den Traum vieler: „Irgendwann wirklich etwas besitzen, ein Auto, eine Wohnung, vielleicht sogar ein Häuschen. Bei der Mehrheitsgesellschaft ankommen und mitmachen.“ Er mahnte, dass nicht jeder so viel Glück habe wie er, und forderte, „jeden Menschen abzuholen“.
In der Frage der konkreten Mittel gingen die Positionen jedoch auseinander. Ziemiak (CDU) setzte auf Steuersenkungen und Wirtschaftsförderung: „Sozialer Aufstieg funktioniert nur, wenn man sich das Leben auch leisten kann. Die Mieten sind zu hoch, die Steuern für diejenigen, die anfangen zu arbeiten, sind zu hoch. Wer sich hochgekämpft hat, muss sich auch etwas aufbauen können.“ Sprachkenntnisse seien unerlässlich.
Bildung und strukturelle Lösungen gefordert
Ott (SPD) wies auf die ungleichen Startbedingungen hin: „Der Mittelmäßige aus Köln-Lindenthal hat bessere Chancen als der Tüchtige aus Köln-Kalk - wegen der Netzwerke, wegen des Umfelds.“ Er forderte konkrete Investitionen in Bildung und gezielte Förderung belasteter Stadtteile: „Wir brauchen eine vernünftig ausgestattete Gesamtschule und in diesen Stadtteilen eine besondere Förderung für die Kitas.“
Achtermeyer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) mahnte strukturelle Lösungen an: „Nicht alle haben die gleichen Einstiegschancen. Das gleicht kein individueller Ehrgeiz aus.“ Das Leben sei keine Pommes, es gehe nicht immer geradeaus. Der Staat müsse dafür sorgen, dass Umwege und Neuanfänge keine Sackgassen werden.
Köln-Kalk als Symbol sozialer Ungleichheit
Der Veranstaltungsort war bewusst gewählt. Kalk steht exemplarisch für sozial benachteiligte Stadtteile in deutschen Großstädten: Nach einer Erhebung der Stadt Köln ist fast ein Viertel der Bevölkerung von Arbeitslosigkeit betroffen. Mehr als 60 Prozent haben eine Migrationsgeschichte. Laut Kölner Stadt-Anzeiger gehört Kalk zu den Stadtteilen mit der höchsten Armutsquote in Köln.
Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag von McDonald's Deutschland zeigt, dass der Glaube an das Leistungsversprechen schwindet: 43 Prozent der 16- bis 29-Jährigen glauben, ihre Generation habe schlechtere Chancen als die Eltern. 42 Prozent sehen die soziale Herkunft als wichtigsten Faktor für Aufstieg, nur 25 Prozent vertrauen vor allem auf eigene Leistung.
Burger Dialog als Vorbild
Alle drei Politiker lobten das Format des Burger Dialogs, bei dem Politik dorthin geht, wo Menschen leben – in volle Restaurants in Stadtteilen wie Kalk, mit einem Publikum, das sonst selten politische Bühnen betritt. Den Abschluss des Abends bildete eine Live-Performance von Eko Fresh, der unter anderem seinen Song „Gheddo“ über Köln-Kalk sang, und Teven („Broken Promises“).



