Eichenprozessionsspinner: Sperrungen im Spreewald lösen Stornierungswelle aus
Spreewald-Sperrungen: Eichenprozessionsspinner treibt Touristen

Mitten in der Hauptsaison sind Teile der weit verzweigten Wasserwege des Spreewalds gesperrt. Grund ist der massive Befall mit dem Eichenprozessionsspinner. Tourismusbetriebe berichten von ersten Stornierungen und befürchten erhebliche Geschäftseinbußen. Der Unterspreewald hat sich zum Hotspot des Insekts entwickelt, so dass die Gefahren auf den Wasserwegen nach Behördenangaben zu groß geworden sind.

Betroffen: 45 Kilometer von 1.600 Kilometern Wasserwegen

Laut Verkehrsministerium sind von insgesamt 1.600 Kilometern Fließen etwa 45 Kilometer gesperrt. Die Sperrung betrifft vor allem den unteren Spreewald. Bootsverleiher und Kahnfahrer klagen über Umsatzverluste. „Wir können noch arbeiten, aber viele von unseren Fließen sind gesperrt“, sagte der Kahnfährmann Mike Böttcher, der in Schlepzig auch Boote verleiht. „Man hätte diese Sicherungsarbeiten in der Zeit machen müssen, wo wir keine Touristen haben, also im Winter.“

Minister räumen Versäumnisse ein

Verkehrsminister Robert Crumbach und Umweltministerin Hanka Mittelstädt informierten betroffene Bürger und Touristiker in der Gemeinde Schlepzig über die Lage. Dabei mussten sie Kritik hinnehmen. Ein Bürger sagte: „Im April haben wir teils nächtelang nicht geschlafen.“ Crumbach bezeichnete die Sperrung als schwierige Situation für die Urlaubsregion. Die Hauptsaison sei der denkbar schlechteste Zeitpunkt, aber der Schritt sei notwendig, „weil Gefahr für Leib und Leben besteht, weil die Wasserwege einfach nicht mehr sicher sind“.

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Gefahr durch giftige Brennhaare und abbrechende Äste

In dem betroffenen Gebiet besteht die Gefahr, dass Bäume umstürzen und Äste abbrechen. Die Behörden mussten Sicherungsarbeiten einstellen, weil die Arbeiter sich durch die giftigen Brennhaare der Raupen selbst gefährdeten. Die winzigen Härchen enthalten ein Nesselgift und können Hautreizungen, Juckreiz, Quaddeln, Augenreizungen, Husten und asthmaartige Beschwerden auslösen. Die Raupen haben sich inzwischen verpuppt, ihre Brennhaare sind jedoch noch aktiv.

Klimawandel begünstigt Ausbreitung

Umweltministerin Mittelstädt sagte, durch den Klimawandel und die warmen Temperaturen sei die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners extrem nach oben geschnellt. Von der Situation seien alle „überrannt“ worden. Nun sollen die gesperrten Fließe rasch kontrolliert und Sicherungsarbeiten durchgeführt werden. Nach und nach sollen die Gewässer wieder freigegeben werden. Möglicherweise sei eine gesperrte Strecke noch in dieser Woche wieder frei.

Biozideinsatz im nächsten Frühjahr geplant

Mittelstädt sprach sich dafür aus, im kommenden Frühjahr ein Biozid zur Bekämpfung der Raupe einzusetzen. Ein solches Mittel wurde im Mai in der Prignitz per Hubschrauber ausgebracht. Zunächst werden bis zum Herbst landesweit Daten zum Befall erfasst und Vorbereitungen für den Einsatz im nächsten Jahr getroffen. „Dass diese Welle, die uns dieses Jahr ereilt hat, nicht in 2027 noch mal ereilt“, so die Ministerin. Verkehrsminister Crumbach sagte: „Für nächstes Jahr werden wir es anders machen.“

Tourismusbranche besorgt über Stornierungen

Der Vorsitzende der Touristinformation Lübbenau, Jörg Schwedtner, sagte: „Wir haben übers Wochenende Stornierungen gehabt in Lübbenau, wo wir gar nicht betroffen sind.“ Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei allgemein schlecht. „Die Leute geben das Geld nicht mehr aus.“ Die Touristiker betonen, dass die Sperrung nur einen kleinen Teil der Wasserwege betrifft und der gesamte Spreewald weiterhin für Besucher offen ist.

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