Der Konflikt im deutschen Eisschnelllauf-Verband DESG spitzt sich dramatisch zu. Nun hat sich sogar der Chef der Thüringer Staatskanzlei, Stefan Gruhner, eingeschaltet. In einem Brief an den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) übt Gruhner scharfe Kritik am Vorgehen der DESG-Führung.
Hintergrund: Athleten unter Druck
Laut einem Schreiben der DESG haben die deutschen Eisschnellläufer am Bundesstützpunkt Erfurt keine Zukunft mehr. Bis zum 26. Juni sollen sie eine neue Athletenvereinbarung unterschreiben und nach Berlin oder Inzell wechseln. Michael Schneider, Präsident des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes, erklärte gegenüber dem MDR: „Die Drohung heißt, wenn Ihr nicht unterschreibt, verliert Ihr Euren Kaderstatus und Euer Arbeitgeber wird Euch entlassen.“ Betroffen sind unter anderem Sportler, die bei Bundeswehr oder Polizei angestellt sind.
Staatskanzlei-Chef: „Nicht hinnehmbar“
In seinem Schreiben an den DOSB betont Stefan Gruhner: „Der Präsident der DESG, Matthias Große, hat mir in einem Telefonat versichert, dass die strukturellen Planungen des Verbandes noch nicht abgeschlossen sind und Entscheidungen erst nach den Strukturgesprächen im August 2026 fallen werden.“ Umso mehr irritiere ihn, dass bereits jetzt Druck auf die Athleten ausgeübt werde. „Dieser Umgang mit jungen Menschen, die ihre sportliche und persönliche Zukunft auf das Vertrauen in verlässliche Strukturen gegründet haben, ist nicht hinnehmbar und wird ihren Leistungen nicht gerecht“, so Gruhner.
Olympiateilnehmer Maly übt scharfe Kritik
Auch der Eisschnellläufer Felix Maly (32), der bei den Olympischen Spielen 2026 über 5000 Meter Rang 16 und im Massenstart Rang 22 belegte, meldete sich zu Wort. In einem Brandbrief, der BILD vorliegt, schreibt er: „Aktuell bin ich um die Lage der DESG besorgt und habe das Gefühl, dass die Interessen der Athleten und Athletinnen nicht ausreichend beachtet werden. Die Ereignisse der letzten Monate und Jahre haben den Eissport, den ich liebe, aus meiner ganz persönlichen Sicht, zum Schlechteren verändert.“
Maly kritisiert die neue Struktur der DESG, wonach alle Langstrecken-Athleten in Inzell bei der kommissarischen Bundestrainerin Claudia Pechstein und alle Sprint-Athleten in Berlin bei Andreas Kraus trainieren sollen. „Diese Entscheidung wurde getroffen, ohne die Athletinnen und Athleten oder Sie alle als Landesverbände und Vereine mit einzubeziehen. 50 Prozent der Nationalmannschaft trainieren in Erfurt, 7 von 13 Olympia-Athletinnen und -Athleten.“ Statt alle aus Erfurt abzuziehen, hätte man auch einen Trainer nach Erfurt schicken können. Zudem fehle eine sportfachliche Begründung: „Auf mehrfache Nachfrage wurde lediglich auf das schnellere Eis verwiesen und Inzell dabei als ‚Porsche‘ und Erfurt als ‚Fiat 500‘ bezeichnet.“
Weitere Stimmen und Forderungen
Maly‘s Kollege Dombek ergänzt gegenüber dem MDR: „Persönlich halte ich einen Wechsel aus Erfurt aufgrund der guten Voraussetzungen hier und der starken Trainingsgruppen, die dadurch zerrissen würden, für sportlich falsch.“ Nach BILD-Informationen fordert zudem der erste Verband den Rücktritt des DESG-Präsidiums. Der Streit droht damit weiter zu eskalieren, während die betroffenen Athleten unter massivem Zeitdruck stehen.



