Studie des Familienministeriums sorgt für Kontroversen
Eine neue große Studie des Bundesfamilienministeriums zeichnet ein überraschend positives Bild der Prostitution in Deutschland. Laut der Untersuchung gibt jede zweite Prostituierte an, den Job aus Spaß und Selbstverwirklichung auszuüben. Zudem verfügten viele der Befragten über hohe Bildungsabschlüsse und eine gute soziale Absicherung. Die Studie wurde am 29. Juni 2026 veröffentlicht und basiert auf Befragungen von über 1.000 Sexarbeiterinnen.
Kritik an Methodik und Realitätsferne
Ex-Prostituierte, Aktivisten und Politiker äußern jedoch scharfe Kritik an der Studie. Sie sprechen von einer brutalen Realität, die in den Ergebnissen nicht widergespiegelt werde. „Die Fragebögen sind zweifelhaft und die Stichprobe nicht repräsentativ“, kritisiert eine Sprecherin des Bündnisses „Nordisches Modell jetzt“. Viele Sexarbeiterinnen hätten aus Angst vor Repressalien nicht ehrlich geantwortet. Deutschland werde zunehmend als „Puff Europas“ bezeichnet, da die Prostitution legal und reguliert sei.
Debatte um das nordische Modell
Die Veröffentlichung der Studie fällt in eine Zeit intensiver Debatten um das sogenannte nordische Modell. Dieses Modell, das in Ländern wie Schweden und Frankreich angewendet wird, bestraft Freier und Zuhälter, nicht jedoch die Prostituierten. Befürworter argumentieren, dass es die Nachfrage senke und die Ausbeutung reduziere. Gegner, darunter viele Sexarbeiterinnen, warnen vor einer Kriminalisierung und Gefährdung der Frauen. Die Studie des Familienministeriums könnte nun die politische Diskussion in Deutschland neu entfachen.
Zahlen und Fakten zur Prostitution in Deutschland
Nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums arbeiten in Deutschland zwischen 200.000 und 400.000 Menschen in der Prostitution. Offiziell registriert sind jedoch nur etwa 40.000. Die Dunkelziffer ist hoch, und viele Arbeitsverhältnisse sind prekär. Die neue Studie zeigt dagegen, dass 48 Prozent der Befragten über einen Hochschulabschluss verfügen und 62 Prozent eine Krankenversicherung haben. Kritiker bezweifeln jedoch, dass diese Zahlen die Gesamtsituation abbilden.



