Vater des mutmaßlichen CSD-Attentäters: „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“
Vater des CSD-Attentäters: „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“

Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin am Samstag ist der Tatverdächtige Abdul Ballout bei einem Polizeieinsatz getötet worden. Der 21-jährige deutsche Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund soll mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge gefahren sein und dabei eine Person getötet sowie 29 weitere verletzt haben. Zudem soll er mit einer Stichwaffe auf Menschen eingestochen haben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem „islamistischen Terroranschlag“. Die Berliner Polizei bittet weiterhin um Hinweise zur Tat unter be.hinweisportal.de und der Personenauskunftsstelle unter 030 84 85 44 60.

Vater spricht von Telefonat und Gehirnwäsche

Der Vater des mutmaßlichen Attentäters, Tawfik B., hat nach Informationen des „Spiegel“ wenige Stunden vor der Tat mit seinem Sohn telefoniert. „Er hat mich angerufen und wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag. Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein“, zitierte das Magazin. Der 64-jährige Schiite, der selbst im Libanon lebt, betonte: „Wir unterstützen den 'Islamischen Staat' (IS) nicht.“ Sein Sohn habe die Sunniten „geliebt“. Auf die Frage nach dem IS habe Abdul Ballout beteuert, die Terrorgruppe für „schlecht“ zu halten. Eine solche Tat wie am Samstag hätte er seinem Sohn nicht zugetraut: „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen“, sagte der Vater.

Polizei erschoss Ballout in Kleingartenanlage

Nach Tagesspiegel-Informationen wurde Ballout am Sonntagabend in einer Gartenkolonie an der Ruhlebener Straße in Spandau lokalisiert. Bei dem Einsatz sei er mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen, woraufhin das Spezialeinsatzkommando (SEK) ihn erschoss. Ein Augenzeuge berichtete: „Ick saß beim Abendessen und dann hat’s nur noch Bang Bang Bang gemacht.“ Die Feuerwehr habe noch versucht, Ballout zu reanimieren, er sei jedoch noch am Einsatzort verstorben. Die Mordkommission wird die Ermittlungen zu dem Schusswaffengebrauch übernehmen, während die Generalbundesanwaltschaft die Ermittlungen zum Anschlag im Tiergarten an sich gezogen hat.

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Politiker fordern härteren Kurs

Nach dem Anschlag haben CDU-Sicherheitspolitiker ein härteres Vorgehen gegen Gefährder gefordert. Der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann, sagte dem „Handelsblatt“: „Freiheitsrechte von gerichtsbekannten Extremisten und Islamisten dürfen spätestens dann nicht länger überhöht werden, wenn Leib und Leben von Menschen gefährdet sind.“ Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU), verlangte: „Bei Anhängern der islamistischen Ideologie darf es keinerlei Nachsicht geben – es muss gelten: im Zweifel für die Sicherheit der Bevölkerung.“ Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Johannes Winkel, forderte im „stern“ Erwachsenenstrafrecht für alle Gefährder: „Die dafür notwendige 'Reifeverzögerung' darf künftig nicht mehr angenommen werden, wenn Täter sich radikalisiert haben.“

Kritik an Bewährungsstrafe

Ballout war im Mai wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einem Jahr und zehn Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zeigte sich verwundert: „Mir fehlen da schon die Worte.“ Bundesinnenminister Dobrindt kritisierte die Bewährungsstrafe im ZDF und sagte: „Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist.“ Die Generalstaatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt, weil sie eine höhere Strafe forderte. Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) betonte die richterliche Unabhängigkeit, werde die Entscheidung aber nicht kommentieren. Die Polizei hatte zudem einen zweiten Komplizen vorläufig festgenommen, doch der Verdacht habe sich bislang nicht erhärtet, so Dobrindt.

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Trauerkundgebung und Regenbogenfarben

Am Sonntagabend zog ein Trauermarsch von der Marienkirche zum Brandenburger Tor. Bei einer Trauerkundgebung am Nachmittag hatten bereits 8000 bis 10.000 Menschen teilgenommen. Das Brandenburger Tor wurde in Regenbogenfarben angestrahlt. Die Senatskanzlei teilte mit: „Berlin ist die Stadt der Freiheit – und die Freiheit lassen wir uns nicht nehmen. Hass und Gewalt dürfen niemals darüber entscheiden, wie wir leben oder wen wir lieben.“ Berlins Regierender Bürgermeister Wegner sprach von einem „großen Erfolg der Ermittlungsbehörden“ und zeigte sich erleichtert über die Festnahme des Tatverdächtigen.