Der englische Außenverteidiger Djed Spence hat dem ghanaischen Mittelfeldspieler Thomas Partey vor dem Testspiel zwischen England und Ghana am Dienstagabend offenbar den Handschlag verweigert. Videos in sozialen Medien zeigen die Szene, die in der TV-Übertragung nicht zu sehen war. Partey, der seit April wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor dem Southwark Crown Court in London steht, wurde von den englischen Fans bei jedem Ballkontakt ausgebuht. Der 33-Jährige plädierte auf nicht schuldig; ein Urteil wird nicht vor Mitte 2027 erwartet.
Hintergrund der Anklage gegen Thomas Partey
Die Anklage wirft Partey vor, im Dezember 2020 eine Frau zweimal vergewaltigt zu haben. Zudem wurde er im Juli 2025 wegen fünf weiterer Fälle von Vergewaltigung und eines Falls von sexueller Nötigung angeklagt, die sich auf die Jahre 2021 und 2022 beziehen. Die Vorwürfe stammen von mehreren Frauen. Partey weist alle Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung. Das Auftaktspiel Ghanas gegen Panama in Toronto verpasste er, weil Kanada ihm aufgrund der Anklage das Visum verweigerte. In die USA durfte er hingegen einreisen.
Reaktionen aus dem Fußballumfeld
Ghanas Trainer Carlos Queiroz sagte zu den Pfiffen der englischen Fans: „Leider bringen sie ihre Politik und all diese Themen ins Spiel ein. Es ist unsere Pflicht, das zu ignorieren. Das ist Fußball, das ist Unterhaltung.“ Diese Haltung spiegelt den Umgang vieler im Fußball mit Sexualdelikten wider: Kritik kommt meist nur von außen, innerhalb der Branche herrscht oft Schweigen oder Solidarität mit dem beschuldigten Spieler.
Weitere Fälle im Fußball
Neben Partey gibt es weitere prominente Fälle. Achraf Hakimi, marokkanischer Nationalspieler von Paris St. Germain, muss sich wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs vor Gericht verantworten. Ein Berufungsgericht in Versailles bestätigte eine Prozessanordnung gegen den 27-Jährigen. Hakimi bestreitet die Anschuldigungen und schrieb auf X: „Endlich werde ich reden können.“ Sein Trainer Mohamed Ouahbi sagte: „Wir stehen hinter ihm.“ Auch Cristiano Ronaldo wurde 2018 von einem US-Model der Vergewaltigung beschuldigt, das Verfahren wurde 2019 eingestellt. Benjamin Mendy wurde 2023 freigesprochen. Verurteilt wurde der frühere brasilianische Nationalspieler Robinho, der seit 2024 eine neunjährige Haftstrafe verbüßt. Dani Alves wurde 2024 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, im Berufungsprozess aber freigesprochen.
Gesellschaftlicher Kontext
Die Zahl der Sexualdelikte steigt seit Jahren stark an. In Deutschland wurden 2025 laut Polizeilicher Kriminalstatistik 131.335 Fälle registriert, darunter 14.454 Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen. Die MeToo-Bewegung, die 2017 nach dem Skandal um Harvey Weinstein entstand, ermutigte viele Frauen, über erlittene Übergriffe zu sprechen. Donald Trump kritisierte MeToo wiederholt und sprach 2018 von „sehr angsteinflößenden Zeiten für junge Männer in Amerika“.



