Im vergangenen Jahr waren 82 Prozent der Badetoten in Deutschland männlich. Allein am vergangenen Wochenende starben 26 Männer und Jungen bei Badeunfällen – keine einzige Frau. Männerforscher Christoph May erklärt im Interview, wie Selbstüberschätzung und Gruppendruck das Risiko erhöhen und warum die Klimakrise die Lage verschärft.
Interview mit Männerforscher Christoph May
Herr May, Sie sind Mitbegründer des Instituts für Kritische Männlichkeitsforschung. Überrascht Sie die hohe Zahl männlicher Badetoter?
Keineswegs, solche Unfälle passieren jedes Jahr. Mit der beschleunigten Klimakatastrophe werden diese Zahlen in den kommenden Jahren sicherlich noch steigen.
Der Eco-Gender-Gap als Ursache
Wie kommen Sie darauf? Wir leben in einer männlich dominierten Gesellschaft, in der Hitzetote und Klimanotstand oft verharmlost und geleugnet werden. Wie Befragungen und Studien zeigen, gilt es vielfach als unmännlich, sich damit zu beschäftigen, geschweige denn, sich selbstkritisch mit den Ursachen zu befassen. Das ist der sogenannte Eco-Gender-Gap. Badeunfälle von Männern in heißen Sommern sind dann oft eine tragische Konsequenz, wenn mehr Menschen im Wasser Abkühlung suchen.
Männer neigen zudem zu Selbstüberschätzung und riskantem Verhalten, insbesondere in Gruppen. Gruppendruck führt dazu, dass sie Gefahren ignorieren oder überschätzen. „Sie denken gar nicht über mögliche Gefahren nach“, so May. Dieses Verhalten wird durch traditionelle Männlichkeitsbilder verstärkt, die Risikobereitschaft und Unverwundbarkeit betonen.
Prävention und gesellschaftlicher Wandel nötig
Um die Zahl der Badeunfälle zu senken, fordert May eine kritische Auseinandersetzung mit Männlichkeitsnormen und mehr Aufklärung über Risiken im Wasser. Auch die Klimakrise müsse ernster genommen werden, da heiße Sommer zu mehr Badeunfällen führen. „Prävention muss bei den Ursachen ansetzen: dem Eco-Gender-Gap und der männlichen Risikobereitschaft“, betont der Forscher.



