Die Zahl der Straftaten an deutschen Bahnhöfen ist im vergangenen Jahr gesunken, während Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter zugenommen haben. Dies geht aus einer Auswertung des Interessenverbands Allianz pro Schiene auf Basis der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik hervor.
Demnach wurden an Bahnhöfen und Bahnanlagen rund 169.322 Straftaten registriert, darunter etwa 7.600 Gewaltdelikte. Das entspricht einem Rückgang von jeweils sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege führt dies auf den Einsatz von Sicherheitspersonal und Videotechnik zurück, betont aber, dass weitere Maßnahmen nötig seien, etwa ein Alkoholverbot an Stationen.
Besorgniserregend ist der Anstieg der Angriffe auf Beschäftigte der Deutschen Bahn und anderer Eisenbahnunternehmen. Die Zahl stieg um elf Prozent auf knapp 2.690 Fälle. Flege fordert, diesen Trend entschieden zu stoppen.
Hintergrund ist der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz Anfang Februar. Ein Fahrgast hatte den 36-Jährigen bei einer Ticketkontrolle mit Faustschlägen gegen den Kopf so schwer verletzt, dass er starb. Die Deutsche Bahn hat daraufhin Sicherheitsmaßnahmen verschärft, darunter die freiwillige Ausstattung von Mitarbeitern mit Bodycams und die Einstellung von 200 zusätzlichen Sicherheitskräften.
Zudem testet die Bahn auf mehreren Regionalbahn-Linien in der Westpfalz die Doppelbesetzung von Zügen mit zwei Zugbegleitern. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft fordert dies bundesweit, Bund und Länder halten es jedoch nicht für finanzierbar.



