WM 2026 in Berlin: Mehr Regeln als Fußball-Feeling? Ein Kommentar
WM 2026 in Berlin: Mehr Regeln als Fußball-Feeling?

WM 2026 in Berlin: Zwischen Regulierungswut und Fußballsehnsucht

Es ist wieder Fußball-Weltmeisterschaft – und irgendwie fehlt etwas. Obwohl ich kein eingefleischter Fan bin, wundert mich der ablehnende Ton, der die Diskussion um das Turnier seit Wochen prägt. Nicht sportlich, sondern politisch geht es zu, dank des umstrittenen Gastgebers USA. In Berlin scheint jedoch ein ganz anderes Thema im Vordergrund zu stehen: Regeln und Sicherheit abseits des Rasens.

Lärmstreit und Behördenformulare

Bereits Wochen vor dem Anpfiff entbrannte ein heftiger Lärm-Streit in der Hauptstadt. Dass die späten Anstoßzeiten aufgrund der Zeitverschiebung zu den USA zu nächtlichem Jubel führen würden, war absehbar. Doch wird in Berlin nicht rund um die Uhr gefeiert? Und ist man nicht Fußballlärm gewohnt? Ich persönlich mag es, wenn Jubelchöre oder Schreckensschreie zwischen den Häusern zu mir hochdringen. Auch nächtliche Autokorsos mit Hupkonzerten gehören zu meinem persönlichen Berliner Klangteppich. Doch nicht alle teilen diese Vorliebe. Es wurde erbittert gestritten, welche Kneipe wo und wie lange Fußball übertragen darf. Das Ergebnis: ein hochoffizielles behördliches Formblatt mit Tabellen, Paragrafen und genauen Vorschriften. Die Lautsprecher müssen von Wohngebäuden weg ausgerichtet werden, die Lautstärke ist auf das Nötigste zu reduzieren. Vuvuzelas, Fanfaren, Trommeln, Pfeifen und ähnliche Fanartikel sowie Pyrotechnik sind untersagt. Einziger Hinweis auf Spaß: ein Fußball-Emoji in der Überschrift der „Sportereignisse-Verordnung Berlin“ (SpV Bln).

Gesundheitswarnungen und Tierwohl

In diesem Jahr erreichten mich vor allem Warnungen vor den Gefahren der WM. Nicht aus den USA, sondern aus Deutschland, aus Berlin. Die Stiftung Gesundheit mahnt: „Kurze Nächte, Alkohol, ungesunde Snacks und langes Sitzen können den Körper belasten.“ Bei spannenden Spielen steige der Blutdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden könnten sich verstärken. Zum Glück gibt es die kostenlose Arzt-Auskunft der Stiftung mit passenden Kliniken, Ärzten und Apotheken. Sogar ein Fan-Guide für Tiere wurde erstellt. Die Organisation „Humane World for Animals“ warnt vor fußballbedingtem Lärm, Konsum und Stress für Haustiere. Mit elf „einfachen, praktischen Tipps“ soll „Fair Play für Tiere“ gewährleistet werden. Empfohlen werden längere Spaziergänge vor dem Anpfiff, sichere Rückzugsorte und regelmäßige Fütterungszeiten, auch bei Verlängerung.

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Verbraucherschutz und Gemütlichkeit

Auch die Stiftung Warentest hält Tipps bereit – ob beim Grillen, ruckelfreiem Streaming oder Lärmstreit in der Nachbarschaft. Das Schönste an der WM 2026 ist also: Für alles ist gesorgt. Zumindest bei uns. Es gibt sogar eine Sonderbriefmarke, die an das Sommermärchen 2006 erinnert. Passend zum Regenwetter lässt sich sagen: Es wird eine Weltmeisterschaft der Gemütlichkeit. Laut einer Umfrage des Portals „vergleich.org“ wollen 43 Prozent der Befragten die Spiele auf dem Sofa verfolgen. Und obwohl es die WM der Männer ist, sind auch viele Frauen dabei: 35 Prozent freuen sich auf das Turnier, ergab eine Exklusiv-Umfrage von BILD der FRAU und YouGov.

Die Kolumne „Stadtflucht“: Hier schreibt Morgenpost-Redakteurin Uta Keseling über die Merkwürdigkeiten des Alltags in Berlin und manchmal auch auf dem Land.

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