WM-Sommer trotz Trump: Fußball, Gewalt und Panini-Alben
WM-Sommer trotz Trump: Fußball, Gewalt und Panini

Liebe Leserin, lieber Leser,

diesen Newsletter beginne ich mit einem Gruß an meine lieben Nachbarn und Freunde aus meinen Essener Zeiten. Damals, im WM-Sommer 2010, feierten wir die Deutschland-Spiele gemeinsam. Jeder war mal dran als Gastgeber, es gab Salate, Gegrilltes und viele Kaltgetränke. Ich habe mir ein Brasilien-Trikot gekauft, nicht, weil ich Fan war, sondern weil ich das deutsche Trikot zu langweilig fand. Deutschland verpasste damals mit einer 0:1-Niederlage gegen Spanien den Einzug ins Finale. Brasilien war da längst raus, aber ich trug das Trikot trotzdem weiter. Ob wir uns auch zum Endspiel trafen, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.

Freuen wir uns doch einfach auf die WM-Spiele

Ich erzähle das, weil ich mich tatsächlich auf diesen WM-Sommer freue, auch wenn mir in Berlin die Nachbarn von damals fehlen. Auf Spannung, die mir nicht den Schlaf raubt, auf unverfängliche Unterhaltung. Ob es mit dem irrlichternden Gastgeber Donald Trump gelingt, der an diesem Sonntag seinen 80. Geburtstag mit Käfigspielen feiert (dazu gleich mehr) und als Kriegstreiber einen sagenhaften Zickzack-Kurs fährt? Ich finde, wir sollten dem Nagelsmann-Team die Daumen drücken und uns auch über tolle Spiele anderer Mannschaften freuen. Damit halte ich es so wie meine Kollegin Alina Juravel, die den WM-Start genauso kommentierte.

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Und Trump-Chaos hin oder her: Es gibt immer noch eine Menge Leute, die zur WM reisen und dafür eine Menge Geld ausgeben. Zum Beispiel der Installateur, der unser Bad sanierte. Mit den Nachbesserungen müssen wir warten, bis er aus den USA zurück ist. Hans-Joachim Toews hat seit 2014 kein einziges Spiel der deutschen Mannschaft verpasst. Und auch in diesem Jahr ist er dabei und nimmt dafür eine Menge auf sich. Aino Akay hat ihn porträtiert.

Alkohol und Fußballfrust: Diese Mischung ist vor allem für Frauen gefährlich

Bei allem Spaß, den uns die WM hoffentlich bringt: Leider eskaliert der Frust über verlorene Spiele mitunter auch zu Gewaltexzessen in den eigenen vier Wänden. Nach einer britischen Studie steigt bei einer Niederlage des englischen Nationalteams die Zahl der gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen um 38 Prozent und auch bei einem Sieg um 26 Prozent. Ursache ist, na klar, zu hoher Alkoholkonsum, vor allem, wenn die Spiele vor 19 Uhr beginnen.

In Deutschland dürfte das Gewaltpotenzial ähnlich hoch sein, ermittelte meine Kollegin Marta Ways. Sie sprach mit Experten über die Mechanismen, die Gewalt auslösen. Und über Prävention. Der einfachste und schnellste Rat an Frauen: Nicht zu Hause sein, wenn Deutschland spielt. Aber das ist natürlich keine nachhaltige Lösung, wenn es darum geht, Frauen und auch Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen. Da brauche es schon eine Strategie, die auch patriarchale Strukturen, etwa in Fußballvereinen, aufbreche, so die Experten.

Trumps Käfig-Kämpfe: So funktionieren sie

Apropos patriarchale Strukturen und Gewalt: Beides leben viele Anhänger von Mixed Martial Arts aus, einer Vollkontakt-Kampfsportart, die Techniken aus dem Boxkampf, Ringen, Judo oder Jiu-Jitsu vereint. Bei der Vermarktung der Kämpfe wird mit dem „Image des unbesiegbaren Mannes“ geworben. Wen wundert es da, dass Donald Trump ein großer Anhänger dieser Kampfsport-Art ist. Anlässlich seines 80. Geburtstags ließ er dafür einen riesigen Käfig, den sogenannten Octagon, vor dem Weißen Haus aufstellen, um gemeinsam mit der weltweiten Organisation für Mixed Martial Arts, der UFC, ein Spektakel zu veranstalten. Unser Washington-Korrespondent Dirk Hautkapp erklärt, was man zum Brot-und-Spiele-Remmidemmi wissen muss.

Auch wenn wir viel über die Irrungen und Wirrungen der US-Regierung berichten, weil einfach die globalen Auswirkungen so groß sind: Es gibt auch ein anderes Amerika, und deshalb ist auch der Satz von Friedrich Merz, mit dem er neulich Donald Trump so verärgerte, falsch. Er würde seinen Kindern nicht raten, in den USA zu studieren oder zu arbeiten, sagte er beim Katholikentag und verwies auf Sorgen über das „soziale Klima“ in dem Land. Tatsächlich stimmte noch nicht mal die Hälfte der wahlberechtigten Bürger für Trump. Dass er trotzdem Präsident wurde, liegt am Wahlsystem. Obendrein rutscht sein Ansehen derzeit rapide, selbst viele hartgesottene Republikaner kehren ihm den Rücken zu.

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Zohran Mamdani: Bleibt der New Yorker Bürgermeister der Held, der Trump trotzt?

Und dann ist da noch Zohran Mamdani, der neue New Yorker Bürgermeister, den die linke Welt feiert für seine Coolness. Den Bürgerinnen und Bürgern der Metropole hat er eine Menge versprochen: Kostenfreier Nahverkehr, Mietendeckel und Reichenbesteuerung sind die Stichworte. Inzwischen ist der Shooting-Star der Demokraten in der Realität angekommen. Unsere Auslandschefin Madeleine Janssen berichtet aus New York vom Hype um einen Bürgermeister, seine ambitionierten Projekte und seine größten Feinde.

Das traurigste Panini-Album: Diese Mexikaner sind spurlos verschwunden

Zurück zur WM: Wie immer stehen auch in diesem Jahr die Panini-Bilder hoch im Kurs. Das freut mich, denn die Bilder mit den Fußball-Helden werden immer noch ganz analog in Tütchen verkauft und in Sammelalben geklebt. Erfunden haben die Sticker die Brüder Panini, deren Mutter 1945 einen Zeitungsstand in der Altstadt von Modena eröffnete. Die Brüder machten daraus einen Zeitungsvertrieb und begannen obendrein, Wundertüten mit Stickern zu verkaufen. Inzwischen ist daraus ein Unternehmen mit einem Milliardenumsatz geworden. Lesen Sie hier die spannende Familiengeschichte, die unsere Italien-Korrespondentin Micaela Taroni recherchierte.

Das Unternehmen verkauft weltweit über fünf Millionen Sticker pro Jahr, und sicher gibt die WM noch mal einen ordentlichen Schub. Doch während vor allem Kinder voller Begeisterung die Tütchen aufreißen und kleben, hat eine Gruppe von Mexikanern ein sehr trauriges Album im Panini-Stil entwickelt: Sie suchen mit kleinen Sammelbildchen ihre Angehörigen, die sie an die Kartelle verloren haben. Es handelt sich um Tausende Menschen, die als vermisst gelten und immer mehr in Vergessenheit geraten. Offiziell sind es 14.000 Menschen, die spurlos verschwanden, die mutmaßlich Opfer von Organisierter Kriminalität wurden. Unser Korrespondent Klaus Ehringfeld erzählt die traurige Geschichte, die hinter diesem Album steckt.

„Rambo Zambo“, der Merz-Podcast. In dieser Woche erzählt ein Insider

Zum Schluss mal wieder eine Audio-Empfehlung. Vielleicht kennen Sie „Rambo Zambo“ schon, den Merz-Podcast, bei dem sich die beiden Hosts Carlotta Richter und Julia Emmrich der Performance des Bundeskanzlers widmen. Am Donnerstag hatte Julia Emmrich Martin Korte zu Gast, den Politik-Chef der „Westfalenpost“, der Heimatzeitung von Friedrich Merz, die auch zur FUNKE Mediengruppe gehört. Der Kollege beobachtet Friedrich Merz vom Sauerland aus seit vielen Jahren. Er kennt ihn und seine Frau persönlich. Im Podcast erzählt er, wo sich Merz an möglichst jedem Wochenende von den Berliner Strapazen erholt, welche Rolle seine Frau Charlotte Merz im Leben des Bundeskanzlers spielt, was die Sauerländer von ihrem berühmten Nachbarn halten und wie er die anhaltende Kritik verpackt. Eines kann ich schon mal verraten: Er fährt mit seiner Frau viel Fahrrad. Da habe ich doch endlich mal was gemeinsam mit dem Bundeskanzler.

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Sonntag, viel Spaß bei der ersten Partie der deutschen Mannschaft und alles Gute für die kommende Woche.

Herzliche Grüße,
Ihre Birgitta Stauber