Wrack vor Föhr: Volkskundler löst Rätsel um die „City of Bedford“
Wrack vor Föhr: Rätsel um die „City of Bedford“ gelöst

Das Schiffsgerippe in der Nordsee vor Föhr, über das Touristenführer seit Jahren schaurige Geschichten erzählen, hat endlich sein Geheimnis preisgegeben. Ein Volkskundler begann eine akribische Recherche und machte eine überraschende Entdeckung. Die Geschichte der „City of Bedford“ wurde beim Wattwandern oft erzählt, doch nun stellt sich heraus: Vieles davon war erfunden.

Die Legende des Wracks

Jahrelang rankten sich Mythen um das Wrack, das bei Niedrigwasser im Watt sichtbar wird. Touristenführer sprachen von einem Schiff, das in einem Sturm gesunken sei, mit Mann und Maus. Die „City of Bedford“ sollte ein Frachter gewesen sein, der im 19. Jahrhundert unterging. Doch der Volkskundler Dr. Matthias Ohm aus Kiel zweifelte an diesen Geschichten. „Die Erzählungen waren zu fantastisch, um wahr zu sein“, sagt er.

Ohm begann vor zwei Jahren mit seinen Nachforschungen. Er durchforstete Archive, las alte Zeitungen und sprach mit Historikern. Seine Ergebnisse veröffentlichte er nun in einem Fachartikel. Demnach handelt es sich bei dem Wrack nicht um die „City of Bedford“, sondern um ein völlig anderes Schiff.

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Die wahre Identität

Das Wrack ist tatsächlich der Rest eines holländischen Küstenmotorschiffs namens „Johanna“. Es sank im Jahr 1968, als es vor Föhr auf Grund lief. Die Besatzung konnte sich retten. „Es gab keine Toten, keine dramatische Geschichte“, erklärt Ohm. Die Verwechslung mit der „City of Bedford“ sei auf einen Fehler in einem Reiseführer aus den 1990er Jahren zurückzuführen. Der Fehler wurde jahrelang ungeprüft kopiert.

„Die Touristenführer haben die Geschichte ausgeschmückt, um die Wattwanderungen spannender zu machen“, sagt Ohm. „Aber die Wahrheit ist viel banaler.“ Das Wrack ist heute ein beliebtes Fotomotiv und ein Ziel für Wattwanderungen. Die Gemeinde Föhr plant nun, eine Informationstafel mit der korrekten Geschichte aufzustellen.

Auswirkungen auf den Tourismus

Die Aufklärung des Rätsels hat auch praktische Konsequenzen. Die örtliche Tourismusbehörde will künftig auf korrekte historische Informationen achten. „Wir werden die Wattführer schulen, damit sie die richtige Geschichte erzählen“, sagt eine Sprecherin. Die „City of Bedford“ wird also bald aus den Erzählungen verschwinden – und Platz machen für die „Johanna“.

Volkskundler Ohm hofft, dass sein Fall Schule macht: „Viele lokale Legenden halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Es lohnt sich, genau hinzuschauen.“

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