Rückenwind für die Abi-Rebellin Ellenor Bockentin (18) – und das ausgerechnet von Deutschlands ehrlichsten Lehrern. Ex-Schulleiter Gert Mengel (55) stellt sich inhaltlich hinter die Schülerin aus Hagenow. Wichtige Maßnahmen hätten an der Schule auch ohne zusätzliche Ausgaben ergriffen werden können, sagt er zu BILD. „Hier scheint die Kommunikation im Vorfeld das Problem gewesen zu sein. Man hätte klarmachen müssen, dass es auch andere erfolgreiche Wege abseits des Abiturs gibt.“
Gert Mengel: „Schulen sind Hoffnungsorte“ – aber offenbar nicht überall
Der ehemalige Schulleiter aus Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich zwar irritiert über die Wortwahl in der Rede von Bockentin („Fickt euch!“), dennoch habe sie am Schluss auch einen sehr wichtigen Satz gesagt: „Ihr seid auch ohne Abi nicht weniger wert.“ Mengel war fast drei Jahrzehnte Lehrer, davon acht Jahre Schulleiter der Don-Bosco-Schule in Rostock. Sie gilt als Vorreiter für das Handyverbot auf dem Schulgelände.
Zuspruch kommt auch von Silke Müller, einer ehemaligen Schulleiterin aus Niedersachsen: Zu BILD sagt sie, im aktuellen Bildungssystem herrsche „Ruinenverwaltung“. Bockentins Wutausbruch sei „mutig“. DENN: „Wenn ein Drittel der Schüler den Abschluss nicht schafft – dann stimmt was nicht!“ Zu viele Lehrer würden sich innerhalb des Systems „nicht bewegen“, so die Pädagogin. Neue Lehrmethoden würden oft nicht umgesetzt. Insofern „hat Bockentin recht“.
Ex-Chef des Lehrerverbands übt Kritik
Auch Daniel Jung (45), Bildungsunternehmer aus Köln, hat Verständnis für den Wutausbruch der Schülerin. „Das System ist absolut überholt.“ Vorfälle wie in Hagenow „dürfen 2026 nicht mehr passieren“. Kritik kommt hingegen vom Ex-Präsidenten des Lehrerverbands, Josef Kraus (76): Zu BILD sagt er: Auch wenn die Schülerin „mit dem einen oder anderen Punkt recht hätte“, habe sie sich durch Ton und Sprache „ins Unrecht gesetzt“.
Bockentin hatte auf der Abi-Abschlussfeier des Robert-Stock-Gymnasiums in Hagenow mit ihrer alten Schule abgerechnet. Ihre Wut-Rede ging anschließend viral. Fünf Minuten lang schimpfte sie auf Schule, Lehrer und Bildungssystem. Es habe ständig Lehrerwechsel gegeben, die Schüler hätten zwei Jahre lang keinen vernünftigen Mathe-Unterricht gehabt. Auch die „völlig inkompetenten Lehrer“ seien mitschuldig daran, dass 17 von 52 Schülern durch die Prüfungen gefallen seien – darunter Bockentin selbst.



