Der kleine Affe Punch berührt Millionen von Menschen im Netz: Von seiner Mutter verstoßen, findet er Halt bei einem Kuscheltier-Orang-Utan. Kinderpsychologin Dr. Inés Brock-Harder erklärt, warum auch viele Kinder stark an ihren Kuscheltieren hängen.
Punch, ein junger Japanmakak im Ichikawa City Zoo nahe Tokio, klammert sich an einen Plüsch-Orang-Utan, den er überallhin mitnimmt. Laut Zoo-Mitarbeitern wurde Punch kurz nach der Geburt von seiner Mutter abgewiesen und fand in der Gruppe zunächst schwer Anschluss. Pfleger gaben ihm das Kuscheltier als Trostspender. Seitdem nimmt er es überallhin mit. Andere Szenen zeigen, wie Punch von anderen Affen geschubst und schikaniert wird – ein Verhalten, das bei Makaken selten, aber normal sei. Punch zeige dabei „Widerstandsfähigkeit und mentale Stärke“.
Viele Kinder nutzen Kuscheltiere als „emotionale Anker“ bei Trennung, Stress und zum Einschlafen. Dr. Brock-Harder erklärt, dass dies völlig normal sei: „Wir haben alle Übergangsobjekte – manche sagen Talisman, andere haben Fotos im Portemonnaie oder einen Stein in der Tasche.“ Für Kinder könne ein solches Objekt Stresssituationen abfedern und helfen, Trennungen besser zu überstehen. Dahinter stecke ein normaler Entwicklungsschritt, verbunden mit einem Sicherheitsbedürfnis: Sobald Kinder begreifen, dass Dinge nicht weg sind, nur weil sie unsichtbar sind, helfe ein vertrautes Objekt, dieses Wissen emotional auszuhalten – etwa bei der Kita-Eingewöhnung oder Übernachtungen.
Neue Videos zeigen, dass Tierpfleger den dreckigen IKEA-Orang-Utan von Punch gegen ein identisches Stofftier austauschen. Dr. Brock-Harder rät bei Kindern jedoch eher davon ab: „Verlust ist Verlust“, betont sie. Trauer sei eine wichtige Emotion, die Kinder lernen müssten auszuhalten. Falls Eltern sich sorgen, das Kuscheltier „zu sehr“ zu erlauben, rät sie, nicht wegzunehmen, sondern die Situationen zu vermehren, in denen es nicht gebraucht wird, damit Kinder Schritt für Schritt mehr Selbstregulation erleben.
Wie lange ein Kind einen solchen Anker braucht, sei „kein Qualitätskriterium für die Eltern, sondern kinderbedingt“. Erst wenn ein Kind in der Grundschule dauerhaft gar nicht ohne Kuscheltier zurechtkomme, würde Dr. Brock-Harder genauer hinschauen – dann könne „ein kleiner Entwicklungsschub“ oder Unterstützung sinnvoll sein.



