Kann ein Bluttest frühe Hinweise auf eine spätere Lungenkrebserkrankung geben? Dieser Frage sind Forscher in einer großen internationalen Studie nachgegangen. Sie analysierten Blutproben und Gesundheitsdaten von mehr als 48.000 Menschen – und stießen auf ein auffälliges Muster, das mit einer späteren Lungenkrebsdiagnose zusammenhing.
48.099 Teilnehmer der UK Biobank untersucht
Für die Studie werteten Wissenschaftler die Daten von 48.099 Teilnehmern der britischen UK Biobank aus. In ihren Blutproben waren fast 3000 verschiedene Eiweiße gemessen worden. Während der Nachbeobachtung erkrankten 375 Teilnehmer an Lungenkrebs. Die Forscher suchten nach frühen Warnsignalen im Blut. Sie identifizierten eine Kombination aus 14 Eiweißen, die teilweise mehr als fünf Jahre vor einer späteren Diagnose auf ein erhöhtes Risiko hinweisen konnte.
14 Blutmarker verbessern Vorhersage
Ergänzt wurde das Modell durch vier bekannte Risikofaktoren: Alter, Raucherstatus, lebenslange Rauchbelastung und eine frühere COPD-Erkrankung. COPD ist eine chronische Lungenerkrankung, bei der die Atemwege dauerhaft verengt sind. Das neue Vorhersagemodell erkannte rund 78 Prozent der späteren Lungenkrebsfälle. Das beste etablierte Vergleichsmodell kam auf rund 62 Prozent.
Entzündungen rücken in den Fokus
Im Mittelpunkt steht offenbar ein entzündliches Umfeld in der Lunge. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Feinstaub Entzündungen auslösen kann. Dabei spielt der Entzündungsbotenstoff Interleukin-1β eine wichtige Rolle. Auch Rauchen und Luftverschmutzung spiegelten sich in den Blutwerten wider. Aktuelle Raucher wiesen höhere Werte auf als Nichtraucher. Zudem stand eine stärkere Feinstaubbelastung mit auffälligen Markern in Zusammenhang.
Medikamenten-Studie gab Hinweis
Zusätzlich werteten die Forscher Daten der CANTOS-Studie aus. Dort erhielten Teilnehmer das Medikament Canakinumab, das Interleukin-1β blockiert. Eingesetzt wurde es eigentlich zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Teilnehmer mit besonders auffälligen Blutwerten entwickelten häufiger Lungenkrebs. In dieser Gruppe sank die Lungenkrebsrate unter Canakinumab von knapp vier Prozent auf rund zwei Prozent.
Noch kein Diagnose-Test
Die 14 Blutmarker sind kein Diagnoseverfahren. Sie weisen nicht auf einen bestehenden Tumor hin, sondern auf biologische Prozesse, die Krebs begünstigen können. Erhöhte Werte traten auch bei anderen Lungenerkrankungen auf. Die Studie zeigt jedoch, dass sich ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs möglicherweise bereits mehr als fünf Jahre vor einer Diagnose im Blut abzeichnen kann.



