Neues Medikament gegen chronische Rückenschmerzen: Cannabis-Wirkstoff als Alternative zu Opioiden
Millionen Menschen weltweit leiden unter chronischen Rückenschmerzen. Viele Betroffene greifen zu starken Schmerzmitteln wie Opioiden, die jedoch ein hohes Suchtpotenzial haben. Ab September 2025 kommt mit Exilby (Wirkstoff: VER-01) ein neues Cannabinoid-basiertes Medikament auf den deutschen Markt, das eine wirksame und weniger süchtig machende Alternative bieten soll.
Wirkstoff aus der Cannabispflanze
Das Medikament wird als Tropfen eingenommen und enthält eine Kombination aus verschiedenen Cannabinoiden, darunter THC und CBD. Es ist für Kreuzschmerzen mit einer neuropathischen Komponente zugelassen, also Schmerzen, die mit Brennen, Kribbeln oder Ausstrahlung einhergehen. Die Ursachen können vielfältig sein, von Verspannungen bis zu Bandscheibenvorfällen.
Studienergebnisse: Besser als Opioide?
Hersteller Clemens Fischer von der Firma Futrue betont, dass VER-01 in Studien eine durchschnittliche Schmerzreduktion um 2,7 Punkte auf der numerischen Rating-Skala (NRS) erreicht habe. Im Vergleich zu Placebo betrug der Vorteil 1,5 Punkte – deutlich besser als opioidhaltige Medikamente, die nur 0,5 bis 0,8 Punkte Verbesserung erzielen. Zudem sei das Suchtpotenzial deutlich geringer.
Schmerzmediziner Jan-Peter Jansen vom Schmerzzentrum Berlin bewertet die Studien als vielversprechend: „Eine neue Substanzklasse wäre eine wichtige weitere Option für Schmerzmediziner.“ Allerdings weist er darauf hin, dass das Suchtproblem in Deutschland weniger ausgeprägt sei als in den USA, wo Opioidabhängigkeit eine verheerende Krise ausgelöst hat.
Kritische Stimmen zur klinischen Relevanz
Nicht alle Experten sind überzeugt. Ulrike Bingel von der Universitätsmedizin Essen warnt davor, statistische Signifikanz mit klinischer Relevanz gleichzusetzen. Die Schmerzlinderung sei in verschiedenen Patientengruppen unterschiedlich stark ausgeprägt. „Einen Paradigmenwechsel leitet das Medikament aus meiner Sicht nicht ein“, so Bingel.
Nebenwirkungen und Markteinführung
Wie bei vielen Medikamenten können auch bei Exilby Nebenwirkungen auftreten, darunter Schwindel, Schläfrigkeit und Übelkeit. Die Behandlung erfolgt durch schrittweise Dosissteigerung unter ärztlicher Aufsicht. Der Preis soll unter dem von medizinischem Cannabis liegen, der genaue Betrag steht noch nicht fest.
Zukunft in den USA
Das Unternehmen strebt auch eine Zulassung in den USA an, wo die Opioidkrise jährlich zehntausende Todesfälle fordert. Die FDA hat VER-01 den Status einer „Breakthrough Therapy“ verliehen, was ein beschleunigtes Verfahren ermöglicht. Allerdings ist noch eine weitere Phase-3-Studie mit US-Patienten nötig, die einen dreistelligen Millionenbetrag kostet.
Das neue Medikament könnte vielen Rückenschmerzpatienten eine wirksame und sicherere Option bieten – auch wenn die Euphorie unter Fachleuten gedämpft ist.



