Charité-Station 56: Einzigartige Neuropalliativversorgung
Charité-Station 56: Einzigartige Neuropalliativversorgung

Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bäume vor dem Fenster – auf der Station 56 am Campus Virchow der Charité ist kaum etwas von typischem Krankenhausbetrieb zu hören. Das ist Absicht. Zehn Betten, ein schmaler Flur, ein Gemeinschaftsraum mit Sitzgruppe und Tisch, an dem Patienten mit Angehörigen essen oder Gesellschaftsspiele spielen können. Eine große Flügeltür führt auf einen Balkon mit Blick auf den Palliativgarten, in dem Narzissen und Rhododendren blühen. Hier liegen Menschen mit unheilbaren neurologischen Erkrankungen: ALS, Parkinson, Hirntumore, Folgen von Schlaganfällen, Multiple Sklerose.

Einzigartiges Konzept seit 2021

Als die Station im Februar 2021 eröffnet wurde, war sie die erste ihrer Art in Deutschland – und ist es im Wesentlichen bis heute geblieben. Die pflegerische Stationsleitung Petra Akbar beschreibt das Konzept: „Es ist keine Sterbestation. Es ist auch keine, auf der man genest. Es ist etwas dazwischen.“ Dieser Ansatz mache die Station einzigartig, so Akbar. Was das Konzept so besonders macht, woran es dennoch fehlt und warum Aushalten ein essenzieller Teil des Klinikalltags ist, zeigt ein Besuch auf Station 56.

Palliativpflege bei neurologischen Erkrankungen

Die spezialisierte palliative Versorgung von Patienten mit fortschreitenden Nervenkrankheiten stellt besondere Anforderungen. Anders als bei Krebspatienten ist der Verlauf oft schwer vorhersehbar, und die Symptome reichen von Lähmungen über Sprachverlust bis zu starken Schmerzen. „Man weint auch mal mit den Patienten“, sagt Akbar. „Das gehört dazu.“ Die Station bietet nicht nur medizinische Behandlung, sondern auch psychosoziale Unterstützung für Patienten und Angehörige. Ein Team aus Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Sozialarbeitern und Seelsorgern arbeitet eng zusammen.

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Herausforderungen und Grenzen

Trotz des Erfolgs gibt es Schwierigkeiten. Die Finanzierung ist nicht gesichert, da das Konzept nicht in die üblichen Abrechnungssysteme der Krankenkassen passt. „Wir kämpfen jedes Jahr um die Fortführung“, erklärt Akbar. Zudem gibt es in Deutschland nur diese eine Station mit einem solchen Schwerpunkt – ein Mangel, den viele Experten beklagen. Denn der Bedarf wächst: Immer mehr Menschen überleben schwere Schlaganfälle oder erhalten die Diagnose einer neurodegenerativen Erkrankung im frühen Stadium. Eine Ausweitung des Konzepts auf andere Krankenhäuser wäre wünschenswert, scheitert aber oft an fehlenden Ressourcen.

Ein Ort der Zwischenräume

Für die Patienten bedeutet die Station 56 eine Atempause: Sie erhalten eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Versorgung, ohne den Druck der Akutmedizin. „Hier fühle ich mich nicht als Nummer“, sagt ein Patient, der anonym bleiben möchte. „Man nimmt sich Zeit für mich und meine Familie.“ Die Pflegekräfte betonen, dass es nicht nur um Symptomkontrolle geht, sondern um Lebensqualität. „Wir begleiten die Menschen in einer sehr verletzlichen Phase“, so Akbar. „Das erfordert Empathie und auch die Fähigkeit, die eigene Hilflosigkeit auszuhalten.“

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