Dr. med. Alexis Kauth, plastischer Chirurg und Chefarzt bei Aesthetify, behandelt das Lipödem – eine schmerzhafte Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Die Erkrankung führt zu Schwellungen an Ober- und Unterschenkeln, blauen Flecken und starken Schmerzen. Kauth betont, dass das Lipödem nicht nur körperliche, sondern auch psychische Belastungen verursacht. Viele Patientinnen werden stigmatisiert und als „dick“ abgestempelt, obwohl die Ursache nicht im Lebensstil liegt.
Was ist ein Lipödem?
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, die durch eine ungleichmäßige Fettverteilung an den Extremitäten gekennzeichnet ist. „Betroffene Frauen haben Druckschmerzen, sie bekommen schnell blaue Flecken und sie haben ein Spannungsgefühl im Körper. Sie haben schwere Beine, wodurch sie eingeschränkt sind. Das Hauptproblem ist aber der Schmerz“, erklärt Dr. Kauth. Die Abgrenzung zu Übergewicht sei nicht immer leicht, was zu falschen Ratschlägen wie „Mach mehr Sport“ oder „Stell deine Ernährung um“ führe. „Sowas macht die betroffenen Frauen psychisch extrem fertig“, so der Chirurg.
Behandlungsmöglichkeiten bei Aesthetify
Dr. Kauth verfolgt einen ganzheitlichen Therapieansatz. Zunächst prüft er, ob konservative Maßnahmen wie Kompressionen und Lymphdrainagen über sechs Monate ausgeschöpft wurden. Wenn diese nicht ausreichen, kommt die Fettabsaugung (Liposuktion) zum Einsatz. Er verwendet die PAL-Methode (Power-Assisted Liposuction), bei der eine vibrierende Kanüle das Fett löst und gleichzeitig absaugt. „Wir bringen an einer minimalen Einstichstelle von vielleicht drei Millimetern eine Lösung unter die Haut. In diesem Gemisch ist zum Beispiel ein Adrenalinzusatz, damit wir die Blutung in den Griff bekommen. Und es sind Betäubungsmittel drin“, beschreibt Kauth den Eingriff.
Nach der Fettabsaugung: Hautstraffung mit Radiofrequenz
Nach der Fettabsaugung kombiniert Dr. Kauth die Behandlung mit einer Radiofrequenztherapie, um die Haut zu straffen. „Wenn ich aus einem erkrankten Oberschenkel viel Fett entferne, hängt die Haut erstmal. Die Frau schaut sich dann trotzdem nicht gerne im Spiegel an“, erklärt er. Die Radiofrequenz regt die Hyaluron-Produktion an und strafft die Haut. Der Eingriff erfolgt oft in mehreren Sitzungen, da maximal zehn Prozent des Körpergewichts abgesaugt werden dürfen. „Es ist nicht selten, dass eine Patientin mindestens zweimal abgesaugt wird“, so Kauth.
Ursachen und Früherkennung
Die Ursachen des Lipödems sind noch nicht vollständig geklärt. „Hormonelle Faktoren und die genetische Veranlagung spielen eine große Rolle. Nicht selten beginnt das Lipödem in hormonellen Umstellungsphasen, zum Beispiel in der Pubertät oder in der Menopause“, sagt Dr. Kauth. Früherkennung sei entscheidend: Je schneller die Diagnose, desto besser lassen sich die Beschwerden kontrollieren.
Dankbarkeit der Patientinnen
Dr. Kauth erlebt in seiner Arbeit viel Dankbarkeit. „Ich sehe regelmäßig Freudentränen bei der Nachkontrolle. Patientinnen, die sagen: ‚Hätte ich das mal eher gemacht. Ich kann endlich wieder anziehen, was ich möchte und habe keine Schmerzen mehr‘“, berichtet er. Er werde mit Geschenken überhäuft. Das Lipödem bleibt jedoch ein Tabuthema, gegen das der Chirurg mit seiner Arbeit ankämpft.



