Eine umfassende Übersichtsarbeit hat die Auswirkungen von Ernährungsgewohnheiten in der Kindheit auf die spätere Intelligenz und Schulleistung untersucht. Das internationale Forschungsteam um Hayley A. Young von der Swansea University wertete insgesamt 73 Studien aus – darunter 48 Interventionsstudien mit gezielten Ernährungsmaßnahmen und 25 Langzeitbeobachtungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ernährung in den ersten Lebensjahren eine weitaus größere Rolle für die Gehirnentwicklung spielen könnte als bislang angenommen.
Studienlage: Von Eisen bis zur Neuen Nordischen Diät
Die Wissenschaftler analysierten eine breite Palette an Nährstoffen und Ernährungsmustern. Dazu gehörten unter anderem Eisen, Jod, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Cholin und Polyphenole. Auch Multivitaminpräparate, Vollkornprodukte, Fisch, Walnüsse sowie die sogenannte Neue Nordische Diät – reich an Fisch, Beeren, Vollkorn und Gemüse – wurden berücksichtigt. Zudem flossen Daten aus Schulfrühstücksprogrammen in die Auswertung ein.
Die ersten Lebensjahre sind entscheidend
Besonders deutliche Zusammenhänge zeigten sich in den Langzeitstudien. Kinder, die in den ersten Lebensjahren vermehrt Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Milchprodukte erhielten, erzielten später in Intelligenztests und in der Schule häufiger bessere Ergebnisse. Eine Ernährung, die reich an stark verarbeiteten Lebensmitteln und Softdrinks war, stand hingegen öfter mit ungünstigeren kognitiven Leistungen in Verbindung. Besonders auffällig war, dass die Effekte im ersten Lebensjahr am stärksten ausgeprägt waren. Ein Eisenmangel im Säuglingsalter war in mehreren Studien noch Jahre später mit Defiziten in Aufmerksamkeit und Gedächtnis assoziiert – selbst wenn der Mangel später behoben wurde.
Jugendliche: Gemischte Ergebnisse
Bei Jugendlichen ergab sich kein einheitliches Bild. Die gezielte Gabe von Eisen und Jod zeigte vor allem dann Vorteile, wenn ein Mangel vorlag. Für Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Cholin oder Multivitamine waren die Ergebnisse widersprüchlich. Die Autoren betonen, dass die Analyse zwar Zusammenhänge, aber keine Beweise für eine kausale Wirkung liefert. Neben der Ernährung spielen auch Faktoren wie Bildung, familiäres Umfeld und sozioökonomische Bedingungen eine wichtige Rolle. Zudem wurde in der bisherigen Forschung oft der Pubertätsstatus vernachlässigt, der für die Gehirnentwicklung in der Jugend von großer Bedeutung ist.
Fazit: Umfassendste Analyse ihrer Art
Die Auswertung gehört zu den bislang umfangreichsten auf diesem Gebiet. Sie unterstreicht die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung in der frühen Kindheit, macht aber auch deutlich, dass weitere hochwertige Studien notwendig sind, um die genauen Mechanismen zu verstehen.



