Im Jahr 2025 sind in Deutschland mindestens 393 Menschen ertrunken, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilt. Das sind 18 Todesfälle weniger als im Vorjahr, doch die Zahl war 2024 gestiegen. Die meisten Unfälle ereigneten sich im Juni. „Wäre es in der folgenden Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen“, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Über die Hälfte (56 Prozent) der tödlichen Unfälle geschah während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende August.
Falsches Bild von Ertrinkenden
Viele Menschen haben ein falsches Bild davon, wie Ertrinkende aussehen. „Wer wirklich ertrinkt, den höre ich nicht, weil er nicht schreit. Und ich sehe ihn nicht, weil er seine Arme nicht mehr über Wasser bekommt“, erklärt DLRG-Sprecher Achim Wiese. Stattdessen stehe die Person aufrecht im Wasser und versuche, den Kopf über Wasser zu halten. „Wenn ich einen Kopf so im Wasser sehe, ist das Alarmstufe Dunkelrot“, so Wiese. Alexander Gallitz, Präsident des Deutschen Schwimmlehrerverbands (DSLV), bestätigt: „Gerade Kinder gehen meistens lautlos unter.“ Sie hätten selten die Kraft zu kämpfen. Auch wenn ein Badender mit dem Gesicht länger als eine halbe Minute unter Wasser treibt, sei Vorsicht geboten.
So retten Sie Menschen vor dem Ertrinken
Im Notfall sollten Augenzeugen sofort den Notruf 112 alarmieren, um die Rettungskette in Gang zu setzen. Anschließend kann man dem Ertrinkenden vom Ufer aus Rettungsringe, Bojen oder andere schwimmfähige Gegenstände zuwerfen. Sind keine Rettungskräfte oder Hilfsmittel in Sicht, muss man abwägen, ob man selbst retten kann. „Dann muss ich mir ehrlich die Frage stellen: Bin ich in der Lage, diesen Menschen aus der Gefahr zu retten und ihn im Wasser abzuschleppen?“, sagt Wiese. „Zweifle ich auch nur ansatzweise, dann lasse ich das.“ Bei zu viel Übermut drohten sonst zwei Menschenleben in Gefahr. Wer sich als sicherer Schwimmer eine Rettung zutraut, sollte dies nur bei mindestens 18 Grad Wassertemperatur tun. In Flüssen mit Strömung lässt man sich mit dieser treiben, im Meer taucht man unter hohe Wellen und lässt sich mit dem Sog hinaustreiben.
Richtige Technik und Erste Hilfe
Der Retter schwimmt den Ertrinkenden stets von vorn an, um ihn im Blick zu behalten, und hält einen Mindestabstand von zwei Metern ein. „Im Zweifel muss ich den Ertrinkenden dann erstmal wieder wegstoßen“, sagt Wiese, da Panikattacken zu Klammern führen können. Der Kopfschleppgriff wird von hinten angewendet: vier Finger unter das Kinn, Daumen hinter die Ohren, dann den Menschen mit Kopf über Wasser in Rückenlage abschleppen. Alternativ kann man mit beiden Armen unter die Achseln greifen. Am Ufer übernehmen die Rettungskräfte; ist man allein, muss Erste Hilfe geleistet werden: Ist der Gerettete ansprechbar? Atmet er? Hat er Puls? Bei fehlender Atmung ist eine Druckmassage auf den Brustkorb nötig. „Eine Atemspende wird von Rettern aufgrund der Corona-Ansteckungsgefahr bei Erwachsenen nicht gemacht“, betont Wiese. Ist die Person ansprechbar, kommt sie in die stabile Seitenlage, um sich nach geschlucktem Wasser erbrechen zu können. Wer Wasser geschluckt hat, sollte sich unbedingt ärztlich untersuchen lassen, da das Risiko des „trockenen Ertrinkens“ besteht – noch Tage später kann zu viel Wasser in der Lunge zum Ersticken führen.
Allein in Not: Ruhe bewahren
Kommt man selbst in Not, heißt es: Ruhe bewahren, sich flach auf den Rücken legen und treiben lassen. So geht man nicht unter und kann die Panik abatmen. Andere Badende herbeizurufen fällt vielen schwer, doch „diese Hemmung muss man überwinden, denn da geht es um Leben und Tod“, appelliert Wiese. Die wichtigste Regel: Nie allein ins Wasser gehen.



