Eine umfangreiche US-Studie der Harvard-Universität belegt einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und einem erhöhten Demenzrisiko. Die Forscher beobachteten über einen Zeitraum von fast neun Jahren mehr als 5.300 Erwachsene ab 50 Jahren und dokumentierten deren Ernährungsgewohnheiten sowie kognitive Entwicklung.
Studiendesign und Ergebnisse
Im Jahr 2013 wurden die Ernährungsdaten der Teilnehmer erstmals erfasst. Anschließend unterzogen sich die Probanden alle zwei Jahre standardisierten Gedächtnis- und Denktests, um Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten zu messen. Zu Beginn der Studie litt keiner der Teilnehmer an Demenz oder anderen Gedächtnisstörungen.
Im Verlauf der Untersuchung erkrankten 266 Menschen an Demenz, während 1.191 Teilnehmer leichte kognitive Beeinträchtigungen entwickelten, die nicht die Kriterien einer Demenz erfüllten. Die Analyse ergab: Teilnehmer mit dem höchsten Anteil ultraverarbeiteter Lebensmittel in ihrer Ernährung hatten ein um 58 Prozent erhöhtes Demenzrisiko im Vergleich zu jenen mit dem geringsten Konsum. Bei leichteren kognitiven Einschränkungen lag das Risiko um 46 Prozent höher.
Dosis-Wirkung-Beziehung
Die Forscher stellten zudem eine klare Dosis-Wirkung-Beziehung fest: Je größer der Anteil stark verarbeiteter Lebensmittel, desto häufiger traten kognitive Probleme auf. Zu den ultraverarbeiteten Produkten zählten Softdrinks, Süßigkeiten, Frühstückszerealien, Fertiggerichte und verarbeitetes Fleisch. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei verarbeitetem Fleisch: Teilnehmer mit dem höchsten Konsum hatten ein mehr als doppelt so hohes Demenzrisiko.
Schutz durch frische Lebensmittel
Im Gegensatz dazu schnitten Menschen, die überwiegend unverarbeitete oder nur minimal verarbeitete Lebensmittel wie Obst und Gemüse aßen, deutlich besser ab. Ihr Demenzrisiko lag um 41 Prozent niedriger. Die Forscher berücksichtigten in ihrer Analyse zahlreiche Störfaktoren wie Alter, Bildung, körperliche Aktivität und Vorerkrankungen.
Dennoch weisen die Wissenschaftler auf die Grenzen der Studie hin: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen direkten Ursache-Wirkung-Nachweis erbringen kann. Zudem basieren die Ergebnisse auf einer einmaligen Ernährungsbefragung zu Beginn der Studie, sodass spätere Änderungen der Essgewohnheiten nicht erfasst wurden. Die tatsächliche Menge der verzehrten Fertigprodukte wurde durch die Selbsteinschätzung vermutlich eher unterschätzt.
Die Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung mit möglichst wenig verarbeiteten Lebensmitteln für die langfristige Gehirngesundheit.



