Eine neue Studie der University of Florida, veröffentlicht im Fachjournal „Nature Metabolism“, bringt das weit verbreitete Gelenk-Präparat Glucosamin mit einem erhöhten Demenz-Risiko in Verbindung. Die Forscher analysierten Patientendaten von 2012 bis 2024 und fanden heraus, dass die Einnahme von Glucosamin mit einem um 25 Prozent erhöhten Risiko verbunden war, dass sich eine leichte kognitive Einschränkung zu einer manifesten Alzheimer-Krankheit entwickelt. Zudem zeigte sich bei Patienten mit bestehender Demenz ein um 25 Prozent höheres Sterberisiko.
Hyperglykosylierung als möglicher Treiber
Glucosamin kann die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden und im Gehirn Prozesse beeinflussen, bei denen Proteine mit Zuckergruppen versehen werden – ein Vorgang namens Hyperglykosylierung. Im Hirngewebe von Alzheimer-Patienten fanden die Wissenschaftler auffallend viele solcher Zuckerstrukturen. „Die Daten deuten darauf hin, dass diese Veränderungen aktiv an den krankhaften Prozessen beteiligt sein könnten“, erklären die Autoren. Es handle sich nicht nur um ein Begleitphänomen, sondern möglicherweise um einen Treiber der Erkrankung.
Mausmodelle bestätigen Befunde
In Mausmodellen der Alzheimer-Krankheit verbesserten sich die kognitiven Leistungen, wenn Enzyme für die Zuckerkettenbildung ausgeschaltet wurden. Erhielten die Mäuse zusätzlich Glucosamin, nahm die Hyperglykosylierung zu, während Gedächtnis und geistige Funktionen sich verschlechterten. Die Forscher betonen jedoch, dass die Ergebnisse aus menschlichen Daten auf einer beobachtenden Analyse beruhen und keinen direkten ursächlichen Zusammenhang belegen. „Es handelt sich um ein ernstzunehmendes klinisches Warnsignal“, so die Studienautoren.
Bedeutung für Verbraucher
Glucosamin ist in Drogerien, Apotheken und Online-Shops frei erhältlich und wird oft ohne ärztliche Beratung eingenommen. Nach aktuellen Erkenntnissen lässt sich der Mechanismus nicht auf gesunde Gehirne übertragen. Ein bereits durch Alzheimer vorgeschädigtes Gehirn reagiere jedoch besonders empfindlich auf zusätzliche Zuckeranlagerungen, wodurch krankhafte Prozesse verstärkt werden könnten. Die Forscher empfehlen weitere Studien, um die Risiken genauer zu klären.



