Regelmäßiges und langes Fernsehen im mittleren Lebensalter könnte das Risiko für eine spätere Demenzerkrankung erhöhen. Das legt eine neue Langzeitstudie der University of Southern California (USC) nahe, über die die „Welt“ berichtet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein hoher Fernsehkonsum langfristig mit Veränderungen der Gehirnstruktur verbunden sein könnte.
Studiendesign und Teilnehmer
Für die neue Studie begleiteten die Forschenden seit Ende der 1980er Jahre insgesamt 1.712 Männer und Frauen. Zu Beginn der Untersuchung waren die Teilnehmenden im Durchschnitt 53 Jahre alt und wiesen keine Demenzerkrankung auf. Nach mehr als zwei Jahrzehnten, im Schnitt nach 23 Jahren, wurde ihr Gehirn mithilfe einer MRT-Untersuchung analysiert. Zudem gaben die Teilnehmenden in einer Befragung an, wie viel Zeit sie während der Arbeit im Sitzen verbringen und wie häufig sie fernsehen.
Ergebnisse: Fernsehen schrumpft bestimmte Hirnregionen
Die Auswertung zeigte, dass Menschen mit hohem Fernsehkonsum ein geringeres Volumen in bestimmten Hirnregionen aufwiesen. Diese Bereiche sind entscheidend für Gedächtnis und räumliche Orientierung und zeigen auch bei einer Alzheimer-Erkrankung typische Veränderungen. Außerdem fanden die Forschenden ein größeres Volumen sogenannter Hyperintensitäten der weißen Substanz. Diese gelten als Marker für kognitiven Abbau und ein erhöhtes Demenzrisiko.
Bereits eine frühere Studie derselben Forschungsgruppe aus dem Jahr 2023 hatte gezeigt, dass Menschen, die täglich mehr als zehn Stunden sitzen, ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko haben. Grundlage waren damals die Daten von rund 50.000 Männern und Frauen. Die aktuelle Untersuchung legt nun nahe, dass nicht nur die Dauer des Sitzens, sondern auch die Art der Beschäftigung während dieser Zeit eine Rolle spielt.
Passives Fernsehen versus aktive Büroarbeit
Allerdings zeigt die Studie, dass nicht jede Form des Sitzens gleichermaßen mit negativen Folgen verbunden ist: Menschen mit überwiegend sitzender Büroarbeit wiesen im Vergleich teilweise größere Gehirnbereiche auf. Eine mögliche Erklärung ist, dass geistig fordernde Tätigkeiten das Gehirn stärker aktivieren als passives Fernsehen. Zudem zeigten Männer eine höhere Empfindlichkeit gegenüber den möglichen Folgen von Bewegungsmangel als Frauen.
Einschränkungen und Ausblick
Dank ihres langen Beobachtungszeitraums von rund 23 Jahren liefert die Studie wertvolle Einblicke in die langfristigen Folgen sitzenden Verhaltens. Allerdings beruhen die Angaben zum Sitzverhalten auf Selbstauskünften und erfassen nicht die tatsächliche tägliche Sitzdauer. Zudem zeigt die Studie lediglich einen Zusammenhang: Ob häufiges Fernsehen tatsächlich Demenz verursacht oder das Gehirnvolumen verringert, lässt sich daraus noch nicht eindeutig ableiten. Die Forscher betonen daher die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu klären.



