Studie: Infektionswellen erhöhen Sterblichkeit durch Herzkrankheiten
Infektionswellen erhöhen Sterblichkeit durch Herzkrankheiten

Eine Langzeitstudie des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie hat einen deutlichen Zusammenhang zwischen saisonalen Atemwegserkrankungen und der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland aufgedeckt. Die im Fachjournal „PLOS Global Public Health“ veröffentlichte Analyse von Michael Sieber und Arne Traulsen zeigt, dass Phasen mit erhöhten Infektionszahlen – etwa durch Grippe, RSV oder Covid-19 – regelmäßig mit einem Anstieg herzbedingter Todesfälle einhergehen.

Paralleler Verlauf von Infektionen und Sterblichkeit

Die Forscher werteten Daten des Robert-Koch-Instituts und des Statistischen Bundesamts aus 14 Jahren aus. Dabei zeigte sich ein konsistentes Muster: Parallel zum saisonalen Anstieg der Atemwegserkrankungen erhöhte sich auch die Gesamtsterblichkeit. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die den größten Anteil der Todesfälle in Deutschland ausmachen. Vor der Pandemie erreichten sowohl Infektions- als auch Sterbewellen ihren Höhepunkt in den Monaten Februar und März.

Pandemiebedingte Verschiebung der Wellen

Während der Wintersaison 2020/21 führten Schutzmaßnahmen wie Masken und Kontaktbeschränkungen dazu, dass Influenza und RSV-Infektionen nahezu ausblieben. In den Folgejahren verschob sich der Höhepunkt der Atemwegserkrankungen in den Dezember – eine Entwicklung, die die Forscher auf eine verringerte Immunität in der Bevölkerung zurückführen. Diese zeitliche Verschiebung spiegelte sich unmittelbar in den Sterbedaten wider: Die höchsten Zahlen herzbedingter Todesfälle traten nun ebenfalls im Dezember auf, statt wie zuvor im Februar oder März.

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„Der nahezu parallele Verlauf von Atemwegserkrankungen und Gesamtsterblichkeit ist bemerkenswert“, betonen Sieber und Traulsen. „Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache sind, wirken sich Infektionswellen direkt auf die Sterblichkeit aus.“

Immunität bestimmt Beginn der Wellen

Der Start und die Intensität saisonaler Erkältungs- und Grippewellen hängen maßgeblich vom Immunitätsstatus der Bevölkerung ab. Je geringer die Immunität gegenüber einem Erreger, desto leichter kann er sich ausbreiten und größere Wellen verursachen. Besonders gefährdet sind kleine Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Aktuelle Daten zeigen, dass die pandemiebedingte Verschiebung inzwischen nicht mehr nachweisbar ist; die Wellen folgen wieder dem typischen Muster mit Höhepunkt im Februar und März.

Impfungen als Schutzmaßnahme

Die Forscher unterstreichen die Bedeutung von Impfungen, insbesondere gegen Grippe, um schwere Verläufe von Atemwegserkrankungen zu verhindern. Sie verweisen auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). Da Atemwegsinfektionen einen bedeutenden Risikofaktor für tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse darstellen, sei eine höhere Impfquote notwendig. Zudem betonen sie die Wichtigkeit einer kontinuierlichen epidemiologischen Überwachung, um gefährdete Gruppen frühzeitig zu identifizieren und vor dem saisonalen Höhepunkt zu schützen.

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