Die Krankheitsausfälle im Job sind in der ersten Hälfte dieses Jahres leicht zurückgegangen. Laut einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit waren Erwerbstätige im Schnitt 9,6 Tage arbeitsunfähig geschrieben, verglichen mit 9,9 Tagen im ersten Halbjahr 2025. Der Krankenstand sank von 5,4 auf 5,3 Prozent. Das bedeutet, dass an jedem Tag von Januar bis Ende Juni durchschnittlich 53 von 1.000 Beschäftigten krankgeschrieben waren.
Psychische Erkrankungen überholen Atemwegsinfekte
Erstmals sind psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für Fehlzeiten. Sie legten um neun Prozent zu und verursachten 184 Fehltage je 100 Versicherten. Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Grippe, die im Vorjahr noch an der Spitze lagen, gingen um 21 Prozent auf 175 Fehltage je 100 Versicherte zurück. Grund dafür war der milde Winter, der eine schwere Erkältungswelle ausblieb.
„Der leichte Rückgang beim Krankenstand ist erfreulich“, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Die Analyse zeige, wie schnell sich Fehlzeiten durch das reale Krankheitsgeschehen verändern könnten. „Handlungsbedarf besteht vor allem bei der großen Zahl von Langzeiterkrankungen mit vielen Fehltagen.“
Hintergrund der Analyse
Für die Untersuchung wertete das Berliner Iges-Institut Daten von rund 2,2 Millionen bei der DAK versicherten Erwerbstätigen aus. Die Zahlen basieren auf den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der ersten Jahreshälfte 2026.
Politische Maßnahmen gegen hohe Fehlzeiten
Um den Krankenstand zu senken, plant die schwarz-rote Koalition strengere Regeln für Krankschreibungen. So soll die verpflichtende Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag gelten – bisher war dies erst ab dem vierten Tag nötig, wobei Arbeitgeber eine frühere Vorlage verlangen konnten. Zudem sollen telefonische Krankschreibungen ohne Praxisbesuch entfallen. In Betrieben können abweichende Regelungen vereinbart werden.
Gegen diese Pläne gibt es breite Proteste. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisierte: „Es grenzt an Irrsinn, abertausende Menschen für das reine Ausfüllen von Zetteln zusätzlich in die Praxen zu jagen. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis.“
DAK-Chef Storm begrüßte die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gestartete Offensive für mehr Prävention in der Arbeitswelt. Auch die geplante Einführung einer Teilkrankschreibung sei zielführend: „Das sind geeignete Instrumente, um den Krankenstand nachhaltig senken zu können.“



