Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland stehen vor einer noch nie dagewesenen Finanzkrise. Neue Berechnungen zeigen, dass das Defizit weitaus größer ist als bisher angenommen. Die Ausgaben steigen rasant, während die Einnahmen nicht Schritt halten können. Dies könnte für Millionen Versicherte teuer werden: Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung drohen in den kommenden Monaten zu steigen.
Milliardenloch wächst trotz geplanter Reformen
Ursprünglich hatten Experten mit einem Loch von rund 3 Milliarden Euro gerechnet. Doch interne Schätzungen des Gesundheitsministeriums gehen nun von einem Fehlbetrag von bis zu 5 Milliarden Euro aus. Grund sind unter anderem steigende Arzneimittelkosten und höhere Ausgaben für Krankenhausbehandlungen. Die geplante Gesundheitsreform, die eigentlich Entlastung bringen sollte, zeigt bisher kaum Wirkung. Stattdessen verschärft sich die Lage weiter.
Versicherte müssen mit höheren Zusatzbeiträgen rechnen
Um die Löcher zu stopfen, bleiben den Krankenkassen nur wenige Optionen. Die wahrscheinlichste ist eine Erhöhung des Zusatzbeitrags, den die Versicherten allein tragen müssen. Bereits jetzt liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,6 Prozent. Eine Anhebung auf 1,8 oder sogar 2 Prozent gilt als möglich. Das würde einen durchschnittlichen Arbeitnehmer monatlich mit 10 bis 20 Euro zusätzlich belasten. Auch Arbeitgeber müssten mehr zahlen, da der allgemeine Beitragssatz steigen könnte.
Politik unter Druck: Lösungen gefordert
Gesundheitspolitiker aller Fraktionen zeigen sich alarmiert. Die Ampel-Koalition steht unter Zugzwang, schnell zu handeln. Die Opposition fordert eine grundlegende Reform des Finanzierungssystems. Vorschläge reichen von einer Bürgerversicherung bis hin zu höheren Steuerzuschüssen. Doch bislang gibt es keine Einigung. Die Zeit drängt, denn die Krankenkassen dürfen laut Gesetz keine Schulden machen. Sie müssen ihre Beiträge so kalkulieren, dass die Ausgaben gedeckt sind.
Was bedeutet das für die Versicherten?
Für die rund 73 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung bedeutet die Entwicklung vor allem eines: höhere Belastungen. Viele haben bereits mit steigenden Lebenshaltungskosten zu kämpfen. Eine Beitragserhöhung käme zur Unzeit. Zudem drohen Leistungskürzungen, falls die Kassen weiter sparen müssen. Einige Kassen haben bereits angekündigt, ihre Verwaltungskosten zu senken, aber das reicht nicht aus. Die Versicherten müssen sich auf eine unangenehme Nachricht gefasst machen.



