Gedenken in Marienkirche: Liebe ist halal – Botschaft gegen Hass
Gedenken in Marienkirche: Liebe ist halal

Trauer und Zusammenhalt in der Berliner Marienkirche

Ein schwerer Anlass brachte am heutigen Tag trauernde Menschen in der Berliner Marienkirche zusammen: der Angriff am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin. Über dem Altar lagen Regenbogenflaggen, während die Orgel spielte. Bundeskanzler Friedrich Merz sowie mehrere Ministerinnen und Minister waren erschienen, um der Opfer zu gedenken. Es ging jedoch um mehr: um eine Botschaft wider den Hass.

Imamin erinnert an Koranvers

Nach dem Entzünden einer Kerze ergriff die Berliner Imamin Seyran Ates das Wort. Sie erinnerte an einen Vers aus dem Koran: „Wer einen Menschen tötet, so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und wer einem Menschen das Leben erhält, so ist es, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“ Ates betonte, dass es für Gott nicht auf Religion, Herkunft oder sexuelle Orientierung ankomme: „Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.“ Sie verwies auf das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für sie gebe es keinen Widerspruch zwischen Koran und Grundgesetz.

„Wer im Namen Gottes Hass predigt und Menschen verfolgt, weil sie lieben, wen sie lieben, wer Gewalt gegen queere Menschen ausübt, handelt gegen den Geist dieses Verses“, sagte Ates. „Er missbraucht den Glauben für eine Ideologie des Hasses.“ Man dürfe sich durch diesen Hass nicht auseinanderbringen lassen. „Liebe ist halal, sie ist erlaubt.“ Stille legte sich über die Kirche. Einige weinten, zwei Frauen hielten sich an den Händen, eine trug einen Regenbogen-Herzaufkleber.

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Bischof Stäblein: Das Herz der Stadt ist Freiheit

Der evangelische Bischof Christian Stäblein fand ebenfalls tröstliche Worte: „Das Herz dieser Stadt ist Freiheit. Was immer der Täter habe erreichen wollen, dieses Herz lasse man sich nicht nehmen.“ Applaus erklang in der Kirche. Er betonte, es gebe nur ein Herz der Gesellschaft: „Es gibt kein ‚die Queeren‘ und ‚die Anderen‘.“ Gott habe uns nicht den Geist der Angst gegeben, sondern den der Liebe und Besonnenheit. Man solle beieinander bleiben, gerade jetzt.

Kanzler Merz dankt und mahnt

Die Menschen beteten und stellten sich geduldig an, um ein Licht für die Opfer zu entzünden – eine lange Schlange, in die sich auch Bundeskanzler Merz einreihte. Er dankte den Kirchen: „Dass Sie es uns etwas leichter machen, dieses Schicksal zu tragen.“ Er informierte, dass sich unter den Verletzten inzwischen niemand mehr in Lebensgefahr befinde. „Ich möchte aber auch ein sehr persönliches Wort an die queere Community richten“, fügte Merz hinzu. „Wir werden alles tun, um die Freiheit und die Toleranz in unserer Gesellschaft zu schützen. Alles.“ Bei aller Trauer riet er, auch wieder zu feiern: „Zeigen Sie den Gegnern unserer Gesellschaft das fröhliche und das einvernehmliche Gesicht einer offenen, freiheitlichen, liberalen Gesellschaft.“

Etwa 500 Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil, wie die Polizei mitteilte. Die Stimmung war geprägt von tiefer Trauer, aber auch von Entschlossenheit. Der Angriff hatte am Rande des CSD stattgefunden, ein 37-jähriger Mann war mit einem Messer auf Teilnehmer losgegangen und hatte mehrere Menschen verletzt. Die Tat löste bundesweit Bestürzung aus und führte zu einer Debatte über Queerfeindlichkeit und Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen.

Appell für eine offene Gesellschaft

Die Redner der Gedenkfeier appellierten einhellig, den Hass nicht siegen zu lassen. Imamin Ates, Bischof Stäblein und Kanzler Merz betonten die Bedeutung von Nächstenliebe und Respekt. „Liebe ist halal“ – dieser Satz von Ates wurde zum Leitmotiv der Veranstaltung. Die queere Community und ihre Verbündeten zeigten sich geeint. Viele Besucher trugen Regenbogensymbole, und die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die gemeinsame Botschaft: Gewalt und Hass dürfen keinen Platz in der Gesellschaft haben.

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