Der deutsche Geher Jonathan Hilbert (31) hat nach einer schweren depressiven Episode einen Hoffnungsschimmer. In einem Instagram-Beitrag schreibt der Olympia-Zweite von Tokio: „Nach mittlerweile 3 Monaten Stillstand und Innehalten geht es mir besser.“ Am 16. Mai hatte Hilbert seine erneute Depressionserkrankung öffentlich gemacht und eine Auszeit vom Leistungssport genommen. Nun kehrt er langsam zurück.
Schwere depressive Episode: „Eine ziemliche Achterbahnfahrt“
Unter dem Titel „Update Depression“ berichtet Hilbert offen über seinen Leidensweg. „Die ersten 8 Wochen nach dem Rückzug waren eine ziemliche Achterbahnfahrt. Mit Wiederaufnahme der Therapie stand ziemlich schnell fest, dass es sich um eine schwere depressive Episode handelt.“ Der 31-Jährige, der 2021 in Tokio Silber über 50 Kilometer Gehen gewonnen hatte, stand vor der Entscheidung, Medikamente einzunehmen. „Diese zu nehmen, habe ich mir seit 2024 immer offengehalten“, erklärt er.
Hilbert hatte Angst vor Nebenwirkungen. „Aber dieses Mal habe ich gemerkt, dass ich aus dieser Episode nicht mehr einfach so rauskomme.“ Also entschied er sich für die medikamentöse Behandlung. Ein erstes Arzneimittel half nicht, doch nach einer Umstellung auf ein anderes Präparat trat eine Besserung ein. „Der Antrieb kam wieder, die Gedanken wurden wieder heller“, schildert Hilbert.
Der Weg zurück: Studium und Training
Sein großes Ziel sei nun Stabilität, Gesundheit und Freude am Leben. „Der erste Schritt ist also getan. Doch ist diese Krankheit kein 100-m-Lauf, eher ein Marathon“, schreibt Hilbert. Der Sportler nimmt jetzt sein Studium wieder auf und beginnt mit strukturiertem Training. „Ich habe Lust darauf. Ich habe wieder Kraft und empfinde Freude“, betont er. Ein erstes Trainingslager ist für November geplant. Im nächsten Jahr möchte Hilbert wieder an Wettkämpfen teilnehmen.
Eindeutige Grenze für die Karriere
Sollte Hilbert jedoch erneut eine schwere depressive Episode erleiden, zieht er klare Konsequenzen. „Sollte ich noch einmal in dieser Schwere eine depressive Episode erfahren, werde ich mich aus dem Leistungssport vollständig zurückziehen und meine Karriere beenden.“ Diese Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen wird von Experten als wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung gesehen. Hilbert, der bereits 2024 über seine Depression sprach, zeigt damit, dass auch Spitzensportler verletzlich sind.
Der gebürtige Erfurter hatte 2021 mit seiner Silbermedaille in Tokio für eine Überraschung gesorgt. Bei der Weltmeisterschaft 2023 landete er über 35 Kilometer auf Platz 16. Nach seiner Auszeit im Mai zog er sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Nun scheint er auf einem guten Weg. Die Einnahme von Antidepressiva habe ihm geholfen, die schwere Phase zu überwinden. Hilbert betont jedoch, dass die Genesung Zeit brauche und es kein Sprint sei, sondern ein Marathon.
Hilbert als Vorbild im Umgang mit psychischer Gesundheit
Seine Offenheit könnte auch anderen Betroffenen Mut machen. Im Leistungssport ist das Thema Depression immer noch tabu. Hilbert bricht dieses Tabu und zeigt, dass Hilfe möglich ist. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat in den letzten Jahren Programme zur psychischen Gesundheit von Athleten ausgebaut. Hilbert selbst betont: „Mein großes Ziel ist Stabilität, Gesundheit und einfach wieder Spaß und Freude am Leben zu haben.“
Mit jedem Schritt zurück ins Training und ins Studium beweist Hilbert, dass es sich lohnt, gegen die Dunkelheit anzukämpfen. Die Leichtathletik-Freunde in Deutschland dürfen gespannt sein, ob der Geher 2027 wieder an internationale Starts anknüpfen kann. Eines ist sicher: Hilbert hat den ersten Schritt geschafft.



