Osteopathie bei Rückenschmerzen: Wirksamkeit nicht belegt
Es ist ein Volksleiden: Unspezifische Rückenschmerzen plagen laut Krankenkassendaten 85 Prozent der Deutschen immer wieder – mal gelegentlich, mal dauerhaft. Viele Betroffene suchen Linderung bei Osteopathen, obwohl sie die Behandlung selbst zahlen müssen. Doch wie wirksam ist diese alternative Methode wirklich? Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat die Studienlage im sogenannten Igel-Monitor ausgewertet.
Studienlage dünn – kein überzeugender Nutzen
Das Ergebnis: Die Studien zeigen keinen überzeugenden Nutzen der Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Allerdings fanden die Autoren auch keine Hinweise auf Schäden. Von rund 250 Arbeiten wurden nur drei Reviews und zwei Einzelstudien als relevant eingestuft. Besonders bei akuten Beschwerden sei die Studienlage noch dünner, so das Fazit.
Daniel Belavy von der Hochschule Bochum, der im Bereich Physiotherapie forscht, fordert Konsequenzen: „Basierend auf der verfügbaren Evidenz sollten die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen die Osteopathie aus meiner Sicht nicht finanziell unterstützen.“ Er bezieht sich nicht nur auf den aktuellen Igel-Monitor, sondern auf die gesamte Literatur, die belege, dass Osteopathie im Vergleich zu Placebo nicht klinisch bedeutsam wirksamer sei.
Experten uneins über Schlussfolgerungen
David Hohenschurz-Schmidt vom Imperial College London sieht die Beweislage anders: „Ein Mangel an belastbaren Belegen ist nicht gleichbedeutend mit einem Beleg für fehlende Wirksamkeit.“ Er betont die hohe Nachfrage in Deutschland und die daraus generierten Einnahmen für Osteopathen, Ärzte und Ausbildungseinrichtungen. Er fordert, einen Teil dieser Gelder in die Forschung zu investieren, um Klarheit zu schaffen.
Unter Ärzten ist der Umgang mit Osteopathie unterschiedlich: Manche empfehlen sie, andere lehnen sie ab. Die Berliner Osteopathin Friederike Kaiser beschreibt ihren ganzheitlichen Ansatz: Sie sucht nach Ursachen wie einem verstauchten Fuß, der zu Fehlpositionen führt. „Dann sind die Schmerzen schnell wieder verschwunden“, sagt sie. Sie leite Patienten aber an einen Arzt weiter, wenn sich die Schmerzen nach zwei Behandlungen nicht bessern.
Rechtliche Situation und Ausblick
In Deutschland gibt es kein einheitliches Berufsgesetz für Osteopathen. Union und SPD planen jedoch, dies zu ändern, wie im Koalitionsvertrag festgehalten. Bis dahin bleibt Betroffenen nur, auszuprobieren, was ihnen hilft. Die Methode gilt als eine der umsatzstärksten Selbstzahlerleistungen.



