Schlafapnoe belastet Gedächtnis: Studie zeigt Zusammenhang
Schlafapnoe belastet Gedächtnis: Studie zeigt Zusammenhang

Schlafapnoe und Gedächtnis: Neue Erkenntnisse aus Melbourne

Nächtliche Atemaussetzer rauben nicht nur den Schlaf – sie könnten auch das Gedächtnis belasten. Eine aktuelle Untersuchung aus Melbourne zeigt, dass Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe (OSA) bei Gedächtnistests im mittleren Lebensalter schlechter abschneiden. Die Studie, die Daten von 2795 Erwachsenen zwischen 40 und 70 Jahren analysierte, fand einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Schlafstörung und kognitiven Einbußen.

Bei einer obstruktiven Schlafapnoe erschlaffen die Muskeln im Rachen während des Schlafs wiederholt, sodass die Atemwege sich verengen oder kurzzeitig ganz verschließen. Die Atmung setzt für Sekunden aus oder wird flacher, der Körper erhält weniger Sauerstoff, und der Schlaf wird fragmentiert. Schätzungen zufolge leiden etwa fünf von hundert Männern und drei von hundert Frauen an OSA, insgesamt könnten rund zehn Prozent der Erwachsenen betroffen sein. Das Risiko steigt besonders ab dem mittleren Alter.

Studiendesign: Fast 2800 Teilnehmer untersucht

Die Forscherinnen und Forscher wollten wissen, ob Schlafapnoe bereits vor dem höheren Alter mit Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit einhergeht. Dazu untersuchten sie 2795 Erwachsene, bei denen zu Beginn weder Demenz noch bekannte Gedächtnisstörungen vorlagen. Die Teilnehmer machten Angaben zu ihrer Gesundheit und absolvierten computergestützte Gedächtnistests. Das Ergebnis: Menschen mit Schlafapnoe schnitten bei den Aufgaben schlechter ab als Personen ohne diese Schlafstörung.

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Jedoch bedeutet dieser Zusammenhang nicht automatisch, dass die Atemaussetzer allein die Ursache sind. Denn Betroffene haben häufiger Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte und Bewegungsmangel, die ebenfalls das Risiko für Gedächtnisstörungen erhöhen. Die Forscher berücksichtigten diese Faktoren in ihrer Auswertung und stellten fest: Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und schlechterem Gedächtnis wurde schwächer, wenn die zusätzlichen Risiken einbezogen wurden. Dies deutet darauf hin, dass Begleiterkrankungen einen wichtigen Teil der Erklärung liefern, während ein eigenständiger Effekt der Schlafapnoe nicht ausgeschlossen werden kann.

Erhöhtes Demenzrisiko, aber keine Kausalität

Die Studie ergab zudem ein erhöhtes Risiko für spätere Demenz bei Menschen mit Schlafapnoe. Dabei spielte es keine entscheidende Rolle, ob die Teilnehmer eine genetische Variante trugen, die mit höherem Alzheimer-Risiko verbunden ist. Die Forschenden betonen jedoch, dass die Untersuchung keine Ursache-Wirkung-Beziehung beweisen kann. Dafür wären langfristige Studien notwendig, die Menschen über viele Jahre begleiten.

Mögliche Mechanismen: Sauerstoffmangel und gestörter Schlaf

Eine mögliche Erklärung für die Gedächtnisprobleme sind die wiederkehrenden Sauerstoffmangel-Phasen während der Nacht. Jede Atemunterbrechung löst eine Alarmreaktion aus: Das Gehirn sorgt für ein kurzes Aufwachen, damit die Atmung wieder einsetzt – oft unbemerkt von den Betroffenen. Diese ständigen Unterbrechungen verhindern erholsame Tiefschlafphasen, und der Sauerstoffmangel sowie die Stressreaktionen belasten den Körper. Fachleute vermuten zudem, dass gestörter Schlaf die natürliche Reinigung des Gehirns beeinträchtigen könnte, bei der während des Schlafs Stoffwechselprodukte entfernt werden. Ob eine Schlafapnoe diesen Prozess so verändert, dass sich schädliche Eiweißablagerungen verstärken, ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt.

Behandlung zeigt positive Effekte

Ein interessanter Befund der Studie: Vor allem Menschen mit unbehandelter Schlafapnoe erzielten schlechtere Ergebnisse bei den Gedächtnistests. Teilnehmer, die bereits behandelt wurden – beispielsweise mit einer nächtlichen Atemmaske (CPAP-Therapie) – unterschieden sich dagegen kaum von Menschen ohne Schlafapnoe. Ob eine Behandlung das Gedächtnis langfristig schützt oder das Demenzrisiko senkt, lässt sich aus der Studie jedoch nicht ableiten, da Langzeituntersuchungen fehlen. Dennoch gibt die Studie einen Hinweis darauf, Schlafapnoe ernst zu nehmen – nicht nur wegen der Tagesmüdigkeit, sondern auch wegen möglicher langfristiger Folgen für die Gesundheit.

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Symptome und Diagnose der Schlafapnoe

Viele Betroffene bemerken ihre Atemaussetzer zunächst nicht; oft fallen sie dem Partner auf. Typische Anzeichen sind lautes und regelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atempausen, starke Müdigkeit trotz ausreichender Schlafdauer, Konzentrationsprobleme, morgendliche Kopfschmerzen, trockener Mund nach dem Aufwachen, nächtliches Schwitzen oder häufiges Wasserlassen sowie plötzliches Erwachen mit Herzrasen oder Luftnot. Schnarchen allein bedeutet noch keine Schlafapnoe – entscheidend sind zusätzliche Atemaussetzer und Tagesbeschwerden.

Bei Verdacht führt der Arzt ein Gespräch über Beschwerden und Lebensgewohnheiten. Oft wird ein tragbares Messgerät für eine Nacht zu Hause eingesetzt, das Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt des Blutes und Schnarchgeräusche aufzeichnet. Bei auffälligen Ergebnissen folgt eine Untersuchung im Schlaflabor, wo zusätzlich Hirnströme, Augenbewegungen und weitere Körperfunktionen gemessen werden. So lässt sich feststellen, wie häufig Atemaussetzer auftreten und wie stark sie den Schlaf und Körper belasten.

Behandlungsmöglichkeiten: Von Gewichtsreduktion bis CPAP

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad. Bei starkem Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Beschwerden verbessern. Auch spezielle Schienen, Lagerungshilfen oder Operationen können in bestimmten Fällen helfen. Als besonders wirksam gilt bei schwerer Schlafapnoe die CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure): Der Patient trägt nachts eine Maske, die mit einem Gerät verbunden ist, das einen leichten Luftdruck erzeugt, um die Atemwege offen zu halten. Viele berichten von besserem Schlaf und weniger Tagesmüdigkeit, allerdings kann die Eingewöhnung Zeit brauchen. Häufige Nebenwirkungen sind trockener Hals oder gereizte Nase.