Studie mit 38 Chirurgen und 7117 Operationen
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in „JAMA Surgery“, hat die Auswirkungen von Schlafverhalten auf Operationsergebnisse untersucht. 38 Chirurginnen und Chirurgen aus sieben operativen Fächern – darunter Bauchchirurgie, Orthopädie, Gynäkologie und Herzchirurgie – trugen freiwillig eine elektronische Fußfessel, die rund um die Uhr ihre Aktivität aufzeichnete. Insgesamt wurden 7117 Operationen erfasst und die dabei aufgetretenen Komplikationen dokumentiert.
Nicht Schlafmangel, sondern „Social Jet Lag“ ist entscheidend
Die Forscher analysierten nicht nur die Schlafdauer in der Nacht vor der Operation, sondern auch die durchschnittliche Schlafdauer der letzten 30 Tage sowie den sogenannten „Social Jet Lag“. Dieser Begriff beschreibt das Phänomen, dass Menschen an freien Tagen ihr Schlafverhalten deutlich verändern – später ins Bett gehen und später aufstehen –, was zu einer Verschiebung des Schlafzeitpunkts führt.
Die Ergebnisse waren überraschend: Die reine Schlafdauer in der Nacht vor der Operation oder im Monatsdurchschnitt hatte kaum Einfluss auf die Komplikationsrate. Entscheidend war der „Social Jet Lag“. Wenn die innere Uhr und das äußere Verhalten entkoppeln, verändert sich die Schlafarchitektur. Dies ähnelt der bekannten Wochenendmigräne in der Neurologie, bei der Patienten nach längerem Ausschlafen mit starken Kopfschmerzen aufwachen.
Komplikationsrate steigt um bis zu 36 Prozent
Die Verschiebung des Schlafrhythmus wirkte sich direkt auf die Leistungsfähigkeit der Chirurgen aus – möglicherweise auf Konzentration, Stressresistenz und Kommunikation im Team. In der Folge erhöhte sich die Komplikationsrate deutlich, relativ um bis zu 36 Prozent. Dr. Magnus Heier, Kolumnist des Tagesspiegels, kommentiert: „Man würde sich Chirurgen wünschen, die auch an freien Tagen zeitig ins Bett gehen – aber das wäre sehr, sehr viel verlangt.“
Implikationen für die Praxis
Die Studie legt nahe, dass nicht nur akuter Schlafmangel, sondern vor allem unregelmäßige Schlafgewohnheiten ein Risiko für Patienten darstellen. Kliniken könnten Maßnahmen ergreifen, um Chirurgen zu regelmäßigeren Schlafzeiten zu ermutigen, etwa durch Dienstplangestaltung oder Aufklärung. Allerdings bleibt die Umsetzung im stressigen Klinikalltag eine Herausforderung.



