Ein neuartiger Sensor, der den Botenstoff Dopamin in Tränenflüssigkeit misst, könnte in Zukunft eine schonende und schnelle Diagnose von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Depressionen ermöglichen. Ein Forschungsteam der Federal University of Pelotas in Brasilien hat einen Prototypen entwickelt, der unter Laborbedingungen bereits vielversprechende Ergebnisse liefert.
Funktionsweise des Tränen-Sensors
Die Wissenschaftler nutzten für ihren Sensor laserinduziertes Graphen, ein extrem leitfähiges Kohlenstoffmaterial. In mehreren Versuchsreihen testeten sie verschiedene Beschichtungen. Die beste Variante war mit Nickelnitrat und Harnstoff versehen. Dieser Sensor erkannte selbst geringste Dopaminkonzentrationen in künstlicher Tränenflüssigkeit mit einer Genauigkeit von nahezu 100 Prozent. Die Messungen waren reproduzierbar und der Sensor blieb mindestens eine Woche lang stabil.
Bedeutung von Dopamin für die Gesundheit
Dopamin ist ein entscheidender Neurotransmitter für Bewegung, Motivation und emotionale Prozesse. Störungen im Dopaminhaushalt werden mit einer Reihe von Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Parkinson, Alzheimer, Schizophrenie und Depressionen. Bisherige Nachweismethoden sind oft aufwendig und erfordern Blutentnahmen oder aufwändige bildgebende Verfahren. Ein einfacher Tränentest könnte eine patientenfreundliche Alternative bieten.
Noch keine klinische Anwendung
Die Studie ist jedoch eine reine Laboruntersuchung. Es wurden keine menschlichen Tränen getestet, sondern ausschließlich künstlich hergestellte Tränenflüssigkeit. Zudem ließ die Leistung des Sensors im Laufe der Zeit nach. „Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber wir sind noch weit von einer medizinischen Anwendung entfernt“, erklärte ein Sprecher der Universität. Bevor der Sensor in Arztpraxen eingesetzt werden kann, sind klinische Studien mit Patienten und weitere Optimierungen notwendig.
Zukunftsperspektiven
Langfristig könnte die Technologie als Grundlage für schnelle Messungen direkt in der Arztpraxis dienen. Die Forscher sehen Potenzial für eine Früherkennung von neurodegenerativen Erkrankungen, bei denen eine frühe Diagnose den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Allerdings betonen sie, dass noch viele Hürden zu überwinden sind, darunter die Langzeitstabilität des Sensors und die Übertragbarkeit auf menschliche Tränen.



