Ab dem 1. Januar 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot starten und die Aktienkultur in Deutschland grundlegend verändern. Weg vom klassischen Sparbuch, hin zu ETF-Sparplänen mit staatlicher Förderung – das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Finanzberaterin Annika Peters sieht darin einen "Wendepunkt" für die private Altersvorsorge, warnt jedoch: "Ob die Umsetzung pünktlich klappt, ist noch unklar."
Milliarden neues Kapital erwartet
Sollte das Altersvorsorgedepot wie geplant kommen, könnte es strukturellen Rückenwind für Milliarden an neuem Kapital bedeuten. Experten rechnen mit einem signifikanten Anstieg der Aktieninvestitionen privater Haushalte. Bislang ist die Aktienkultur in Deutschland im internationalen Vergleich schwach ausgeprägt: Nur etwa jeder Sechste besitzt Aktien oder Fondsanteile, während es in den USA jeder Zweite ist.
Die staatliche Förderung soll Anreize schaffen, langfristig in Aktien-ETFs zu investieren. Geplant ist ein Zuschuss von bis zu 20 Prozent der jährlichen Sparbeiträge, gedeckelt auf einen Höchstbetrag. Damit sollen vor allem Gering- und Mittelverdiener angesprochen werden, die bisher kaum von der Börse profitieren.
Umsetzung noch unsicher
Trotz der Euphorie mahnen Kritizer zur Vorsicht. Die technische und rechtliche Umsetzung des Depots sei komplex. "Es gibt noch viele offene Fragen, etwa zur steuerlichen Behandlung oder zur Ausgestaltung der Förderung", so Peters. Zudem müssten die Banken und Fondsgesellschaften ihre Systeme anpassen, was Zeit in Anspruch nehme.
Ein weiteres Problem: Die Inflation und die aktuelle Zinswende könnten die Attraktivität des Depots schmälern. Steigende Zinsen machen festverzinsliche Anlagen wieder interessanter, was den erhofften Boom bremsen könnte. Dennoch bleibt Peters optimistisch: "Langfristig sind Aktien die renditestärkste Anlageklasse. Das Altersvorsorgedepot kann helfen, diese Erkenntnis in der Breite zu verankern."
Vergleich mit den USA
Die Frage, ob Deutschland mit dem Altersvorsorgedepot zu den USA aufschließen kann, wird kontrovers diskutiert. In den USA sind Aktieninvestments über betriebliche Altersvorsorgepläne wie den 401(k) seit Jahrzehnten etabliert. Deutschland startet von einem niedrigeren Niveau, hat aber den Vorteil, von den Erfahrungen anderer Länder zu lernen.
Ein direkter Aktienboom sei kurzfristig nicht zu erwarten, so Peters. "Aber wir stehen an einem Wendepunkt. Wenn das Depot kommt und gut angenommen wird, könnte sich die Aktienkultur in Deutschland nachhaltig verändern." Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Politik die Weichen richtig stellt.



