Sexualmediziner warnt: Fall Ulmen ist mehr als ein Fetisch
Sexualmediziner warnt: Fall Ulmen ist mehr als ein Fetisch

Der schwere Verdacht gegen Christian Ulmen erschüttert die Öffentlichkeit. Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann mehrere Straftaten vor, darunter „virtuelle Vergewaltigung“ und Identitätsmissbrauch. Über zehn Jahre hinweg soll Ulmen Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und sich als sie ausgegeben haben, um Männer zu kontaktieren, sexuelle Chats zu führen und pornografisches Material zu verschicken.

Ulmen selbst soll in einer E-Mail an einen Strafverteidiger einen „höchstvertraulichen Sachverhalt“ geschildert haben. Darin erklärte er, er habe „leider einen sexuellen Fetisch“ entwickelt und wiederholt Fake-Profile im Namen seiner Frau angelegt. Seine Anwälte weisen die Anschuldigungen zurück und kündigten rechtliche Schritte gegen den „Spiegel“ an.

Dr. med. Jörg Signerski-Krieger, Chefarzt am Asklepios-Klinikum Göttingen/Tiefenbrunn und Facharzt für Sexualmedizin, betont: „Wir sollten aufhören, nur über einen sexuellen Fetisch zu sprechen. Stimmen die Anschuldigungen, fehlt der Konsens beim Ausleben. Damit fällt dieses Verhalten klar in den Bereich von psychischer Gewalt und psychischem Missbrauch.“

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Digitale sexuelle Gewalt könne ebenso traumatisierend wirken wie körperliche Gewalt, so der Experte. „Solche Handlungen greifen tief in die Intimsphäre eines Menschen ein. Das kann wie eine Tat am Körper stark traumatisierend wirken.“ Hinzu komme, dass Ulmen offenbar etwa 100 Männer kontaktiert habe, von denen rund 30 auf die Chats eingegangen seien. Das Vertrauen in das gesamte Umfeld könne dadurch erschüttert oder zerstört werden.

Dr. Signerski-Krieger warnt zudem vor den Gefahren von Deepfake-Pornos: „Das Netz wird zu einer Art Ersatzbühne. Daran, einen Porno mit KI nach den eigenen Fantasien zu erstellen, ist an sich noch nichts Verwerfliches. Aber es darf niemand zu Schaden kommen. Das Achten von Grenzen anderer Menschen gilt auch im Netz.“

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