Nicht nur Hitzewallungen: Viele Frauen in den Wechseljahren leiden unter Symptomen, die sie nicht mit den hormonellen Veränderungen in Verbindung bringen. Eine Gynäkologin gibt Einblicke in weniger bekannte, „verrückte“ Beschwerden, die mit den Wechseljahren einhergehen können.
Wenn die Hormone überraschen
Frauen zwischen 40 und 55 Jahren verbinden die Wechseljahre meist mit Hitzewallungen oder Schlafproblemen. Doch der hormonelle Umbruch kann sich auch ganz anders bemerkbar machen: von trockenen Augen über Ohrgeräusche bis zu Kribbeln auf der Haut. Frauenärztin und Hormonspezialistin Dr. Heidi Gößlinghoff verrät ungewöhnliche Beschwerden, auf die Frauen ebenfalls achten könnten.
Mit den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel. Da Östrogen-Rezeptoren in vielen Bereichen des Körpers sitzen – etwa in Haut, Gehirn, Gefäßen, Gelenken und sogar im Innenohr –, können die Beschwerden sehr unterschiedlich ausfallen. „Viele Frauen wissen zunächst gar nicht, dass ihre Symptome hormonell bedingt sind. Nicht selten gehen sie von Arzt zu Arzt, ohne dass jemand den Zusammenhang mit den Wechseljahren erkennt“, sagt Dr. Gößlinghoff.
Ungewöhnliche Anzeichen
Zu den ungewöhnlicheren Beschwerden zählen trockene Augen, verschwommenes Sehen, Juckreiz ohne sichtbaren Ausschlag oder ein Kribbeln in Armen, Beinen und auf der Kopfhaut. Auch empfindliches Zahnfleisch, brennende Zungen oder Veränderungen des Geschmackssinns können auftreten. Laut Gößlinghoff beeinflusst der Hormonrückgang unter anderem die Tränen- und Speichelproduktion sowie die Reizverarbeitung im Nervensystem.
Manche Frauen bemerken zudem einen veränderten Körpergeruch oder fühlen sich dauerhaft erschöpft und abgeschlagen, obwohl medizinische Untersuchungen zunächst keine eindeutige Ursache zeigen. Auch diese Beschwerden werden mit hormonellen Veränderungen in Verbindung gebracht.
Auch der Geschmack kann sich verändern. „Plötzlich schmeckt Ihr Kaffee unangenehm bitter, das Lieblingsessen wirkt fade oder manche Speisen sogar metallisch“, klärt die Expertin auf. Hormone beeinflussen Geschmackssinn und Speichelproduktion.
Beschwerden an unerwarteten Stellen
Besonders wenig bekannt ist das sogenannte genitourinäre Syndrom (durch Östrogenmangel bedingte Veränderungen im Intimbereich). Durch den Östrogenmangel kann in den Wechseljahren die Scheidenschleimhaut dünner und weniger elastisch werden. Das kann Trockenheit, Schmerzen oder häufigere Infektionen begünstigen.
Auch Ohrgeräusche, Herzstolpern, innere Unruhe oder eine sogenannte „Frozen Shoulder“ – eine schmerzhafte Schultersteife – treten in dieser Lebensphase häufiger auf. Die Expertin betont jedoch, dass solche Symptome nicht automatisch auf die Wechseljahre zurückgeführt werden sollten. Sie können auch andere Ursachen haben.
Wann ein Arztbesuch wichtig ist
Viele Beschwerden sind zwar hormonell bedingt, sollten aber ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, länger anhalten oder besonders stark ausgeprägt sind. Das gilt etwa für Sehstörungen, Taubheitsgefühle, Herzbeschwerden, Tinnitus oder ungewöhnliche Blutungen.
Die Wechseljahre betreffen damit weit mehr als nur den Zyklus. Wer ungewöhnliche Veränderungen bemerkt, sollte auch die Wechseljahre als mögliche Ursache mitdenken – und gezielt nach Hilfe suchen.



