Der Endokrinologe und Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer hat über Jahrzehnte erforscht, was Zucker im Körper anrichtet – und was nicht. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel erklärt er die echten und vermeintlichen Gefahren von Zucker und Süßstoffen.
Regelmäßiger Zuckerkonsum kann zur Gewöhnung führen
Auf die Frage, ob man sich Sorgen um einen Kollegen machen müsse, der ständig Süßigkeiten esse und mittags sogar das Essen durch Schokolade ersetze, antwortet Pfeiffer: „Nicht wenn er einen gesunden Stoffwechsel hat, dann ist der Zucker zunächst nicht toxisch.“ Ein Problem sei jedoch, dass Zucker als reiner Energielieferant wichtige andere Nährstoffe verdränge: Wer viele Süßigkeiten esse, verpasse Lebensmittel mit Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und Proteinen.
Ein weiteres Problem sei die Gewöhnung. „Wer regelmäßig zu festen Zeiten Süßes isst, bei dem klingelt das Hirn um Viertel vor elf und will Schokolade. Davon wieder wegzukommen, ist sehr schwer“, so Pfeiffer. Diese Menschen würden im Allgemeinen irgendwann dick – und mit der Adipositas kämen dann die Stoffwechselprobleme.
Limonade bei Kindern: Eine Katastrophe für die Gesundheit
Gefragt nach seiner Meinung zu Kindern mit einer Flasche Limonade, antwortet Pfeiffer deutlich: „Das ist eine Katastrophe.“ Ein Kind mit fünf oder sechs Jahren wiege 20 bis 25 Kilo. Wenn es einen Liter Limonade trinke, sei das relativ zum Körpergewicht eine Unmenge Zucker. In epidemiologischen Studien sehe man klar, dass kindliche Adipositas mit dem Konsum solcher Getränke verknüpft sei. Besonders sozial benachteiligte Familien griffen zu den billigen Anderthalb-Liter-Flaschen. „Die Kinder kennen dann gar nichts anderes mehr“, warnt der Experte.
Süßstoffe: Keine harmlose Alternative
Pfeiffer betont, dass auch Süßstoffe nicht unbedenklich seien. Sie könnten das Verlangen nach Süßem verstärken und den Stoffwechsel beeinflussen. Langzeitstudien zeigten, dass der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe nicht zwangsläufig zu Gewichtsverlust führe. Vielmehr könne eine Gewöhnung an süßen Geschmack erhalten bleiben, was die Umstellung auf eine gesündere Ernährung erschwere.
Der Endokrinologe rät daher zu einem maßvollen Umgang mit Zucker und Süßstoffen. Entscheidend sei eine ausgewogene Ernährung mit natürlichen Lebensmitteln, die den Körper mit allen notwendigen Nährstoffen versorge.



