Die Polizei sucht nach einem Mann, der vor mehr als 50 Jahren zwei Mädchen getötet haben soll – und der heute vermutlich in einem Seniorenheim lebt. Die Fälle der Marion Baier und Sonja Hurler, die 1973 beziehungsweise 1981 in Bayern getötet wurden, sind bis heute ungelöst. Doch die Ermittler haben eine gemeinsame DNA-Spur, die auf denselben Täter hinweist. Nun startet die Kriminalpolizei eine ungewöhnliche Fahndung in Alten- und Pflegeheimen.
Der Fall Marion Baier
Marion Baier war 1973 in Zirndorf bei Nürnberg unterwegs, als sie überfallen und getötet wurde. Die damals 13-Jährige wurde Opfer eines Sexualverbrechens. Die Ermittler sicherten damals DNA-Spuren, die jedoch erst Jahre später analysiert werden konnten. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter zur Tatzeit zwischen 20 und 30 Jahre alt war, was bedeutet, dass er heute zwischen 70 und 80 Jahren alt sein müsste.
Der Fall Sonja Hurler
Acht Jahre später, 1981, verschwand die 14-jährige Sonja Hurler in Kempten im Allgäu. Ihre Leiche wurde erst Wochen später gefunden. Auch in diesem Fall fanden die Ermittler DNA-Spuren, die Jahrzehnte später mit denen des Falls Baier abgeglichen werden konnten. Laut Polizei besteht eine „hohe Wahrscheinlichkeit“, dass es sich um denselben Täter handelt.
Die neue Fahndungsstrategie
Da der Täter heute vermutlich in einem Seniorenheim lebt, haben die Ermittler eine ungewöhnliche Strategie entwickelt: Sie verteilen in bayerischen Alten- und Pflegeheimen Faltblätter mit Informationen zu den Fällen. Die Bewohner sollen befragt werden, ob sie sich an einen Mitbewohner erinnern, der auffälliges Verhalten gezeigt hat oder plötzlich umgezogen ist. „Wir hoffen auf die Erinnerungen der Senioren“, sagte ein Polizeisprecher. „Vielleicht hat jemand etwas gesehen oder gehört, das uns weiterbringt.“
Die DNA-Spur
Die DNA-Spur, die in beiden Fällen gefunden wurde, ist das zentrale Beweismittel. Sie stammt von einem Mann, der bis heute nicht identifiziert werden konnte. Die Polizei hat bereits mehrere tausend Männer in der Region getestet, aber ohne Erfolg. Nun setzen die Ermittler auf die Hilfe der Bevölkerung, insbesondere in den Seniorenheimen.
Hintergrund der Ermittlungen
Die Fälle Baier und Hurler gehören zu den bekanntesten ungelösten Kindermorden in Bayern. Im Fall Baier gab es 2023 eine erneute Öffentlichkeitsfahndung mit einem Phantombild, das auf DNA-Analysen basiert. Der Täter wurde damals als „europäischer Mann mit blonden Haaren und blauen Augen“ beschrieben. Die Polizei hofft, dass die neue Aktion in den Seniorenheimen endlich den entscheidenden Hinweis bringt.



