Der deutsche 100-Meter-Rekordhalter Owen Ansah steht im Fokus eines Ergebnismanagementverfahrens der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada). Grund ist ein möglicher Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen, konkret die Verweigerung einer Dopingkontrolle. Dennoch bleibt der 25-Jährige vom Hamburger SV vorläufig nicht suspendiert, wie die Nada mitteilte.
Keine zwingende vorläufige Suspendierung
„Für den dem Athleten vorgeworfenen Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen sieht das Anti-Doping-Regelwerk keine zwingend zu verhängende vorläufige Suspendierung vor“, erklärte die Nada. Dies geschieht nur eine Woche vor den deutschen Meisterschaften in Bochum. Weitere Details zu dem Fall wurden nicht genannt, eine Stellungnahme von Ansah lag zunächst nicht vor.
Ansah hatte im Juni 2024 in Braunschweig als erster deutscher Sprinter die 100 Meter in 9,99 Sekunden unter der Zehn-Sekunden-Marke absolviert. Am 6. Juni 2026 verbesserte er seine Bestzeit auf 9,98 Sekunden und unterstrich damit seine Form. Bei der Europameisterschaft ab dem 10. August im britischen Birmingham gelten seine Medaillenchancen als hoch – sowohl im Einzel als auch mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel.
Hintergrund des Verfahrens
Die Nada leitete das sogenannte Ergebnismanagementverfahren ein, nachdem Ansah eine Dopingkontrolle verweigert hatte. Ein solcher Verstoß kann nach dem Anti-Doping-Regelwerk mit einer Sperre von bis zu vier Jahren geahndet werden, sieht jedoch keine automatische vorläufige Suspendierung vor. Der Fall wird nun von der Nada geprüft, bevor eine endgültige Entscheidung fällt.
Ansah, der in Mannheim trainiert, hatte sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Sein Rekordlauf von 9,98 Sekunden machte ihn zu einem der vielversprechendsten Sprinter Deutschlands. Die verpasste Kontrolle wirft nun Fragen auf, während der Athlet weiterhin startberechtigt ist.
Auswirkungen auf die EM-Vorbereitung
Die deutschen Meisterschaften in Bochum dienen als letzter Härtetest vor der EM. Ansah kann trotz des laufenden Verfahrens an den Start gehen. Eine mögliche Suspendierung könnte jedoch seine Teilnahme an der EM in Birmingham gefährden, falls die Nada nach Abschluss des Verfahrens eine Sperre verhängt. Der Fall erinnert an ähnliche Vorfälle in der Leichtathletik, bei denen Athleten nach verpassten Kontrollen zunächst weiterstarten durften.
Die Nada betonte, dass das Verfahren nach den geltenden Regeln fair und transparent geführt werde. Ansah selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Seine Anwälte dürften jedoch bereits mit der Agentur in Kontakt stehen, um eine Klärung herbeizuführen.



