Christina Block vor Gericht: „Nur ihr Israelis könnt meine Kinder zurückbringen“
Block-Prozess: Appell an Israelis im Kindesentführungsfall

Im Prozess um die mutmaßliche Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder hat Christina Block am Montag vor dem Hamburger Landgericht einen emotionalen Appell an die israelischen Zeugen gerichtet: „Nur ihr Israelis könnt meine Kinder zurückbringen“, sagte die Angeklagte laut übereinstimmenden Medienberichten. Die 47-jährige Erbin der Funke-Mediengruppe ist wegen Kindesentziehung angeklagt, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Gerhard Delling und fünf weiteren Personen. Sie bestreitet die Vorwürfe.

Hintergrund: Entführung an Silvester 2023/2024

Die Tat ereignete sich am Silvesterabend 2023/2024 in der dänischen Kleinstadt Gråsten. Dort wurden Christina Blocks Kinder Klara und Theo von einem zehnköpfigen Kidnapper-Team verschleppt. Die Täter brachten die Kinder per Wohnmobil zunächst auf einen Hof in Süddeutschland und später nach Hamburg. Eines der Fluchtautos, ein gemieteter Citroën DS7 Crossback, wurde von Thach K. gefahren – einem israelischen Staatsbürger, der per Videoschalte aus seinem Anwaltsbüro in Israel aussagte.

Thach K. ist einer von mehreren mutmaßlichen Helfern. Vor Gericht zeigte er sich oft erinnerungslos: An Details der Flucht konnte er sich nicht erinnern, was die Verteidiger von Christina Block immer wieder zu Zwischenfragen veranlasste. Blocks Anwalt Ingo Bott grätschte wiederholt dazwischen, um die Aussage zu beeinflussen oder zu korrigieren.

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Der 60. Prozesstag: Treffen im Hotel Grand Elysée im Fokus

Bereits am 60. Prozesstag war ein mutmaßliches Treffen unmittelbar vor der Entführung in Dänemark thematisiert worden. Laut Aussagen anderer israelischer Beteiligter soll Christina Block bei einer Besprechung im Hotel Grand Elysée – ebenfalls Teil der Block-Gruppe – dabei gewesen sein. Die Angeklagte bestreitet dies jedoch vehement. „Ich war nicht dort“, sagte sie mehrfach. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, die Entführung geplant oder zumindest gebilligt zu haben, um das Sorgerecht für die Kinder zu erlangen.

Bislang muss sich nur einer aus dem Entführertrupp vor Gericht verantworten: der Israeli Tal S. Die anderen sechs Angeklagten – darunter Christina Block und Gerhard Delling – sind wegen Kindesentziehung oder Beihilfe angeklagt. Sie alle bestreiten die Vorwürfe. Der Prozess wird voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern.

Beweislage und Rolle der israelischen Zeugen

Die Aussagen der israelischen Zeugen gelten als zentral für den Prozess. Christina Block appellierte direkt an sie: „Nur ihr könnt meine Kinder zurückbringen.“ Damit spielte sie auf die Möglichkeit an, dass die Zeugen durch ihre Aussagen zur Aufklärung beitragen könnten. Die Verteidigung hofft, dass die Kinder – die sich nach der Entziehung angeblich bei ihrem Vater Stephan Hensel in Dänemark befinden – zurückkehren können. Hensel hat das alleinige Sorgerecht.

Die israelischen Zeugen sind per Videoschalte zugeschaltet, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Thach K. räumte ein, das Fluchtauto gefahren zu sein, beteuerte aber, nichts von der Entführung gewusst zu haben. Sein Gedächtnis ließ ihn bei vielen Details im Stich – was die Verteidigung von Block als unglaubwürdig wertet.

Das Gericht muss nun klären, ob Christina Block tatsächlich in die Planung der Entziehung verwickelt war oder ob sie – wie von ihr behauptet – lediglich ihre Kinder zurückholen wollte, nachdem Hensel sie ihr vorenthalten hatte. Der Fall hat international für Aufsehen gesorgt, da er Sorgerechtsstreitigkeiten mit kriminellen Methoden verbindet.

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