Tödlicher Angriff am Rande des CSD
Der tödliche Angriff am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat auch in Nordrhein-Westfalen für Entsetzen und Mahnungen gesorgt. Ein Fahrzeug war am Samstag in eine Menschenmenge gefahren, mindestens eine Frau wurde getötet und 16 Menschen verletzt, mehrere davon lebensbedrohlich. Der Fahrer floh, die Polizei fahndet nach einem Tatverdächtigen mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund.
Entsetzen in der NRW-Landesregierung
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) verurteilte den Vorfall als einen „abscheulichen Angriff auf unsere Freiheit“. Die schreckliche Tat sei erfolgt, während Hunderttausende Menschen friedlich für eine offene und vielfältige Gesellschaft feierten, schrieb er auf der Plattform X. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) postete, der Angriff treffe die gesamte Gesellschaft und mache „brutal deutlich, dass nichts selbstverständlich ist“.
Bundespräsident äußert sich in Hamm
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der am Sonntag zum Tempelfest der Hinduistischen Gemeinde in Deutschland nach Hamm gekommen war, nannte die Tat einen „Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben“. Er zeigte sich erschüttert über den mutmaßlichen Anschlag beim CSD, „bei dem Hunderttausende Menschen aus aller Welt friedlich und fröhlich feiern wollten, ein Zeichen setzen wollten für Toleranz und Vielfalt, für ein selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben“.
Folgen für die Sicherheitspolitik
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Der mutmaßliche Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin macht erneut deutlich, welche Gefahr von islamistischen Einzeltätern ausgeht – Menschen, die ohne Vorwarnung losziehen und Anschläge begehen.“ Er kündigte als Konsequenz an, die Polizei im Land für die laufenden und anstehenden Veranstaltungen und Feste noch einmal zu sensibilisieren. Klar sei: „Wir dürfen uns unsere Freiheit, unser öffentliches Leben und unsere Feste nicht von Terroristen nehmen lassen. Genau das wäre ihr Ziel – und genau das werden wir nicht zulassen.“
Stimmen aus der Opposition
SPD-Landespartei- und Fraktionschef Jochen Ott nannte die Tat „einen Angriff auf unser freies Leben und auf die Liebe“. FDP-Vorsitzender Henning Höne zeigte sich tief betroffen und kritisierte: „Der Staat versagt bei zentralen Sicherheitsaufgaben, wenn es immer wieder das gleiche Bild gibt: Der Verdächtige ist den Sicherheitsbehörden bekannt und wird dem islamistischen Milieu zugerechnet.“ Islamismus müsse gezielt bekämpft werden. AfD-Vize-Fraktionschef Sven Tritschler postete auf X, er möge den CSD zwar nicht, aber in Deutschland müsse jeder „für alles auf die Straße gehen“ dürfen. „Das Gift des Islamismus“ stelle diese Grundüberzeugung infrage, monierte er.
Solidarität aus Köln
Die Millionenstadt Köln betonte ihre Solidarität: Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sprach von einem Angriff gegen die Werte, für die der CSD stehe – Freiheit, Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander. „Köln steht fest an der Seite der queeren Community“, betonte er. „Als Stadt der Vielfalt werden wir auch künftig alles dafür tun, dass Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität frei, sicher und ohne Angst leben und feiern können.“ Die Queere Kirche in Köln und Region lud für Sonntagabend zu einem Gottesdienst in die evangelische St. Johannes-Kirche ein, um Raum für Trauer, Klage, Gebet und Solidarität zu geben.



