Dagobert: Vom Kaufhaus-Erpresser zum Medienstar – Der Fall Arno Funke
Dagobert: Vom Kaufhaus-Erpresser zum Medienstar

Arno Funke, besser bekannt als Dagobert, zählt zu den bekanntesten Kriminellen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mit einer Serie von Kaufhauserpressungen und Bombenanschlägen hielt er zwischen 1988 und 1994 die Polizei und die Öffentlichkeit in Atem. Seine Festnahme am 22. April 1994 in einer Telefonzelle in Berlin-Johannisthal beendete eine der aufwendigsten Fahndungen der deutschen Kriminalgeschichte. Heute feiert der ehemalige Staatsfeind als Buchautor und TV-Promi Erfolge – ein Wandel, der in der True-Crime-Serie „Das dunkle Berlin“ beleuchtet wird.

Der Aufstieg einer Verbrecherlegende

Arno Funke begann seine kriminelle Karriere 1988 mit einer Erpressung des Hertie-Konzerns, nachdem er im KaDeWe eine Bombe gezündet hatte. Die geforderte halbe Million Mark erhielt er. Vier Jahre später, als das Geld aufgebraucht war, startete er eine neue Erpressungsserie gegen Karstadt. Im Juni 1992 erschien in mehreren Lokalzeitungen eine Anzeige mit den Worten „Onkel Dagobert grüßt seine Neffen“ – ein von Funke vorgegebenes Zeichen für seine Zahlungsbereitschaft. Fortan trug er den Namen des Comic-Multimilliardärs.

Technische Finesse und öffentliche Bewunderung

Funke beeindruckte durch die technische Raffinesse seiner Geldübergaben. Bei einer Übergabe im August 1992 deponierte die Polizei einen Metallkasten mit einer Million Mark an einem Intercity-Zug. Funke hatte jedoch einen funkgesteuerten Abwurfmechanismus installiert, der das Paket bereits bei Reinbek fallen ließ. Die Polizei wartete vergeblich bei Wittenberge. Bei einer weiteren Übergabe im April 1994 nutzte Funke eine Streusandkiste, die über einem Regenwasserkanal platziert war. Er wartete im Untergrund, kontrollierte die Oberfläche mit Mikrofonen und holte das Geld, als die Polizei abgezogen war. „Dagobert“ wurde zur Kultfigur, die in Kneipen und Küchen für Schadenfreude gegenüber der Polizei sorgte.

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Die Festnahme und das „Dagobert-Business“

Am 19. April 1994 lockte Funke die Polizei zum U-Bahnhof Britz-Süd, wo er das Geld in einer Streusandkiste erwartete. Doch die Ermittler hatten nur Papierschnipsel und vier Tausendmarkscheine hinterlegt. Funke beklagte später, er habe nicht einmal seine Unkosten gedeckt. Die Polizei wurde durch eine Fangschaltung auf ihn aufmerksam und nahm ihn am 22. April 1994 fest. Noch bevor die Handschellen klickten, gab er sich als Dagobert zu erkennen. „Ich kann mir denken, dass so ein Mensch ein Krebsgeschwür kriegt, wenn er sich vorstellt, dass er mit seinem Geheimnis ins Grab gehen muss“, mutmaßte Anwalt Gerd Stübing über Funkes Psyche.

Nach der Festnahme entfaltete sich ein absurdes „Dagobert-Business“. Ein Anwalt bot Funkes Frau Edna als Geschäftspartner an und versteigerte ihre Geschichte an die „Super Illu“ für über 90.000 Mark. Der Geschäftsführer des Grand-Hotels in Gral-Müritz vermietete die „Dagobert-Suite“ zu astronomischen Preisen. Der Daihatsu-Mietwagen, mit dem Funke zur Telefonzelle gefahren war, fand reißende Nachfrage – „noch mit dem Ruß von der Fingerabdruck-Spurensicherung“, wie der Inhaber stolz erklärte. Das Volumen des Dagobert-Business wurde auf bis zu 17 Millionen Mark geschätzt. Demgegenüber stand ein Schaden von 30 Millionen Mark bei Karstadt und Hertie.

Prozess, Haft und zweite Karriere

Funke wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, von denen er sechs Jahre und vier Monate absaß. Nach seiner vorzeitigen Entlassung verdiente er 40.000 Mark Honorar im RTL-Dschungelcamp, das er ebenso wie andere Einnahmen aus der Selbstvermarktung an die Geschädigten weiterleiten musste. Heute arbeitet Funke als Karikaturist und Buchautor. Die Zeitschrift „Eulenspiegel“ hatte ihm bereits kurz nach der Verhaftung angeboten, regelmäßig Witze über Polizisten zu zeichnen. Erika Fuchs, die Übersetzerin, die Dagobert Duck seinen deutschen Namen gab, stellte 1994 klar: „Dagobert hat solche Sachen nicht gemacht.“

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