Nach dem Wurf eines Bruchstücks einer Gehwegplatte aus einem Kieler Hochhaus auf einen Streifenwagen wird nun mit einer DNA-Reihenuntersuchung nach dem mutmaßlichen Täter gesucht. Seit dem Morgen nehmen Einsatzkräfte in dem 26-geschossigen Gebäude im Stadtteil Mettenhof DNA-Proben von Bewohnerinnen und Bewohnern, wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Kiel mitteilten. Insgesamt wohnen mehr als 250 Menschen in dem Hochhaus.
Der Vorfall im Juni
In der Nacht zum 2. Juni war von dort ein Polizeiwagen beworfen worden. Ein Teil einer Gehwegplatte durchschlug die Frontscheibe und traf eine auf dem Beifahrersitz mitfahrende Polizeibeamtin an der Hand und am Sprunggelenk. Die 25-Jährige ist seitdem nicht mehr dienstfähig. Ihr 59-jähriger Kollege blieb unverletzt.
Die Staatsanwaltschaft Kiel bewertet den Steinwurf als versuchtes Tötungsdelikt. An dem Pflasterstein fanden Ermittler DNA-Spuren. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete das Amtsgericht Kiel daher eine DNA-Reihenuntersuchung in dem Hochhaus an. Betroffen sind demnach alle, die in dem Mehrfamilienhaus amtlich gemeldet sind oder tatsächlich dort wohnen und die zum Tatzeitpunkt das 14. Lebensjahr vollendet haben.
Rechtliche Grundlage und Durchführung
Die DNA-Reihenuntersuchung ist ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte der Bewohner, wird aber durch die Schwere der Tat gerechtfertigt. Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die Maßnahme verhältnismäßig sei. Die Probenentnahme erfolgt freiwillig, doch bei Verweigerung kann ein richterlicher Beschluss erwirkt werden. Die Polizei hat mehrere Teams eingesetzt, um die Proben zügig zu sammeln.
Reaktionen und Ausblick
Die Bewohner des Hochhauses reagierten unterschiedlich auf die Aktion. Viele zeigten Verständnis für die Maßnahme, andere äußerten Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Die Polizei hofft, durch die DNA-Analyse den Täter identifizieren zu können. Die Auswertung der Proben wird voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.



