Ermittlungen gegen Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke
Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat ein Ermittlungsverfahren gegen Sven Partheil-Böhnke, den Bürgermeister von Timmendorfer Strand, eingeleitet. Wie Martin Peterlein, Sprecher der Behörde, dem SPIEGEL bestätigte, besteht der Anfangsverdacht des Vortäuschens einer Straftat, der Beleidigung und der Untreue. Hintergrund sind beleidigende E-Mails, die über den Account des FDP-Politikers an Bürger verschickt wurden und in denen der Tierschützer Robert Marc Lehmann als „absolut inkompetenter, selbstdarstellerischer Spinner“ bezeichnet wird.
Streit um Walrettung eskaliert
Auslöser des Konflikts war die gescheiterte Rettung eines Buckelwals, der in der Ostsee vor Niendorf, einem Ortsteil von Timmendorfer Strand, gestrandet war. Das Tier, von manchen „Timmy“ oder „Hope“ genannt, war später vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern verendet. Partheil-Böhnke hatte sich bereits im April öffentlich kritisch über Lehmann geäußert und ihm Selbstdarstellung vorgeworfen. Lehmann, der an den Rettungsversuchen beteiligt war, reiste daraufhin verärgert ab. Die nun bekannt gewordenen E-Mails gingen jedoch über diese Kritik hinaus.
Verdacht auf vorgetäuschten Hackerangriff
Die Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat stützen sich laut Peterlein auf „öffentlichkeitswirksame Äußerungen des Beschuldigten“. Ende Mai hatte Partheil-Böhnke in einem Interview mit den „Lübecker Nachrichten“ behauptet, sein Account und sein Handy seien gehackt worden, woraufhin etwa 30 E-Mails in seinem Namen versandt worden seien. Die Gemeinde leitete daraufhin eine forensische IT-Untersuchung ein und kappte für zwei Tage sämtliche Kommunikationskanäle des Rathauses. Ein Gemeindesprecher bestätigte dem SPIEGEL, dass das Ergebnis der Untersuchung vorliege, aber noch nicht veröffentlicht werde.
Untreueermittlungen wegen Kosten der Sicherungsmaßnahmen
Die Kosten für diese Sicherungsmaßnahmen sind Gegenstand der Untreueermittlungen. Das Staatsschutzkommissariat der Polizei ist eingeschaltet, da die mutmaßlichen Taten im Zusammenhang mit Partheil-Böhnkes dienstlicher Tätigkeit stehen. Der Bürgermeister selbst ist bis zum 31. Juli offiziell dienstunfähig und äußerte sich auf Anfrage des SPIEGEL nicht. Zuvor hatten die „Lübecker Nachrichten“ über den Fall berichtet.



