Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow hat ein Fallanalytiker am Freitag, dem 26. Juni 2026, vor dem Landgericht Rostock ausgesagt. Nach seinen Angaben handelt es sich bei der Tötung um eine geplante Tat. Die Tatperson habe gewusst, wo sich der Junge am Tattag befand, und die Situation ausgenutzt. Die Staatsanwaltschaft geht bereits von einer „heimtückischen“ Tötung aus „niedrigen Beweggründen“ aus.
Opfer war arglos – Leiche wies Besonderheit auf
Der Sachverständige erklärte: „Wir gehen davon aus und halten es für wahrscheinlich, dass der Junge arglos war.“ Fabian habe demnach nicht geahnt, was mit ihm geschehen würde. Das Team des Analytikers wertete auch ein Foto einer Zeugin aus, das ein Feuer am Auffindort der Leiche zeigt. Dazu sagte der Analytiker: „Wir sehen hier den Jungen brennend liegen.“ Fabian wurde laut Staatsanwaltschaft am 10. Oktober 2025 an einem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) getötet und anschließend angezündet.
Eine besondere Auffälligkeit an der Leiche: Das Gesicht und die rechte Hand wurden vom Brand weitgehend verschont. „Das Gesicht ist der menschlichste Teil des Körpers“, zitierte die „Bild“ den Analytiker. Dies deute auf Hemmungen bei der Inbrandsetzung hin, was wiederum auf eine persönliche Bindung zwischen Täter und Opfer schließen lasse. Allerdings betonte der Analytiker, dass es sich dabei nur um ein Indiz handle.
Angeklagte schweigt – Aussage für August erwartet
Angeklagt ist Gina H., die Stiefmutter des Jungen. Die 30-Jährige schweigt bisher zu den Vorwürfen, für sie gilt die Unschuldsvermutung. Ihr Anwalt kündigte jedoch an, dass sie sich am 6. August 2026 vor Gericht äußern werde. Die Sommerpause der Verhandlungen solle genutzt werden, um die Aussage vorzubereiten. „Sie wird sich allgemein äußern“, so der Anwalt gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Motiv: Beziehungsprobleme zwischen Stiefmutter und Vater
Laut Staatsanwaltschaft und Fallanalytiker liegen der Tat persönliche Motive zugrunde. Beziehungsprobleme zwischen Gina H. und Fabians Vater Matthias R. sollen eine Rolle gespielt haben. Gina H. habe die „vage Hoffnung“ gehabt, dass der Vater zu ihr zurückkehre, wenn sein Sohn nicht mehr lebe. Die beiden waren zeitweise getrennt, sind aber inzwischen wieder ein Paar. Der „Stern“ berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft von diesem möglichen Motiv. Auch die Fallanalytiker sehen mit „hoher bis sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ ein persönliches Motiv.
Brutalität der Tat: Sechs Messerstiche und Verbrennen
Die Brutalität des Falls wurde ebenfalls thematisiert. „Wenn ich einen Menschen umbringen möchte oder muss, hätten ein bis zwei Stiche ausgereicht“, zitierte die „Bild“ den Fallanalytiker. Ein Gutachten ergab jedoch, dass Fabian mit sechs Messerstichen getötet wurde. Das anschließende Verbrennen zeige, „dass mehr gemacht wurde, als nur einen Jungen zu töten“, so der Sachverständige.
Tatort war dem Täter bekannt – weiteres Täterprofil
Der Fallanalytiker bestätigte die Vermutung von Zeugen, dass der Täter den Tatort kannte. Auf dem Weg zur sogenannten „Schweinekuhle“ in Klein Upahl hätte es mehrere abgelegene Stellen gegeben, die für die Tat in Frage gekommen wären. Die Wahl genau dieses Ortes zeige, dass die Tatperson den Ort vorher bereits kannte. Das Tatprofil umfasse weitere Merkmale: Die Tatperson habe mit hoher Wahrscheinlichkeit eine direkte persönliche Beziehung zu Fabian gehabt, sei aus der Region gestammt und habe am Tattag über ein Fahrzeug verfügt. Die Staatsanwaltschaft schlussfolgerte laut „Bild“, dass alle Punkte der operativen Fallanalyse auf die Angeklagte Gina H. zuträfen. Auch dass sie es war, die den getöteten Jungen fand und die Polizei rief, sei ein Zeichen dafür, dass sie sich zuvor über die genaue Nummer informiert hatte.
Prozess wird fortgesetzt – viele Zeugen geladen
Der Mordprozess wird am Mittwoch, dem 1. Juli 2026, fortgesetzt. Dann soll eine Gerichtshelferin gehört werden, die einen Bericht zur Angeklagten erstellt hat. Anschließend sind die Tierärztin von Gina H., vier Bekannte der Angeklagten, ihr ehemaliger Arbeitgeber und der Arbeitgeber von Fabians Vater geladen. Am 2. Juli 2026 sollen fünf Bekannte und Nachbarn von Gina H. aussagen. Weitere Termine sind der 7. und 9. Juli 2026. Nach der Sommerpause geht es am 6. August, 7. August, 24. August, 26. August, 28. August, 1. September, 3. September und 10. September 2026 weiter.
Bei (häuslicher) Gewalt betroffene Personen können sich an die Telefonseelsorge wenden (0800/111-0-111 und 0800/111-0-222, www.telefonseelsorge.de). Das Opfer-Telefon des Weißen Rings ist unter 116 006 erreichbar. Der Notruf 110 hilft bei häuslichen Gewalttaten. Frauen erhalten Unterstützung beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 (www.hilfetelefon.de). Das Männerhilfetelefon ist unter 0800 123 99 00 erreichbar.



