In Berlin ist die Zahl der Schusswaffenstraftaten in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 auf fast 600 gestiegen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Polizei hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde. Demnach wurden von Januar bis Mai 2026 insgesamt 598 Taten registriert, bei denen Schusswaffen eingesetzt wurden – ein Anstieg von rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Hotspots der Gewalt: Wo am häufigsten geschossen wird
Die interaktive Karte des Berichts zeigt deutliche räumliche Schwerpunkte. Besonders betroffen sind die Bezirke Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Allein in Neukölln wurden 134 Taten verzeichnet, gefolgt von Mitte mit 112 und Friedrichshain-Kreuzberg mit 98. In diesen Bezirken konzentrieren sich die Vorfälle auf bestimmte Kieze, etwa das Schillerkiez in Neukölln oder den Alexanderplatz in Mitte.
„Die meisten Taten ereignen sich im öffentlichen Raum, oft im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen“, sagte Polizeisprecherin Julia Müller. „Wir beobachten einen Trend zu mehr Schusswaffengebrauch bei Konflikten, die früher mit Fäusten oder Messern ausgetragen wurden.“
Ursachen: Drogenhandel und Bandenkriminalität
Als Hauptursachen für den Anstieg nennt der Bericht den zunehmenden Drogenhandel und die damit verbundene Bandenkriminalität. „Die Täter sind häufig jung, männlich und in kriminelle Strukturen eingebunden“, so Müller weiter. Die Polizei habe ihre Präsenz in den Brennpunkten bereits verstärkt, dennoch bleibe die Lage angespannt.
Die Statistik erfasst alle Delikte, bei denen eine Schusswaffe eingesetzt oder damit gedroht wurde – von Raubüberfällen bis zu Tötungsdelikten. In fünf Fällen kam es zu Schussverletzungen, zwei Menschen starben. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp 40 Prozent, was die Polizei als verbesserungswürdig bezeichnet.
Reaktionen aus der Politik
Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kündigte an, die Polizei mit mehr Personal und technischer Ausstattung zu unterstützen. „Wir werden die Videoüberwachung an besonders gefährdeten Orten ausbauen und die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei intensivieren“, sagte sie. Die Opposition fordert derweil schärfere Waffengesetze und mehr soziale Maßnahmen gegen Jugendkriminalität.
Der Bericht basiert auf Daten der Berliner Polizei und wird jährlich erstellt. Die interaktive Karte ist online abrufbar und zeigt detailliert die Verteilung der Taten auf die einzelnen Stadtteile.



