Gina H. soll im Oktober 2025 den achtjährigen Fabian aus Güstrow getötet haben. Seit dem 28. April 2026 steht sie deshalb vor dem Landgericht Rostock. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Die Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Der Fall Fabian: Ein Kind wird vermisst
Am 10. Oktober 2025 wurde der achtjährige Fabian aus Güstrow (Landkreis Rostock, Mecklenburg-Vorpommern) als vermisst gemeldet. Tage suchten Polizei und Freiwillige nach dem Jungen. Am 14. Oktober dann die traurige Gewissheit: Fabian war tot. Eine Spaziergängerin fand seine Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl. Aus der vermeintlichen Zeugin Gina H. wurde schnell eine Verdächtige. Besonders brisant: Sie war zu diesem Zeitpunkt die Ex-Freundin von Fabians Vater. Inzwischen sind die beiden wieder ein Paar.
Der Prozess: Mordanklage und Schweigen
Seit dem 28. April verhandelt das Landgericht Rostock den Mordfall. Die Hauptverhandlungstage dauern bis zum 2. Juli. Gina H. wird beschuldigt, Fabian heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Die Angeklagte bestreitet die Tat und schweigt. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Ihre Anwälte haben angedeutet, dass sie sich im Laufe des Prozesses noch äußern könnte.
Was geschah am Tattag?
Laut Anklage soll Gina H. Fabian aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, ihn mit sechs Messerstichen erstochen und die Leiche verbrannt haben, um Spuren zu verwischen. Als Motiv werden Beziehungsprobleme mit Fabians Vater Matthias R. vermutet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. die vage Hoffnung hatte, Matthias R. zurückzugewinnen, wenn sein Sohn nicht mehr lebt.
Wer ist Gina H.?
Gina H. ist 30 Jahre alt und wohnte bis zu ihrer Festnahme am 6. November 2025 in Reimershagen, einer Gemeinde im Süden des Landkreises Rostock. Sie war vier Jahre lang mit Fabians Vater liiert. Die Beziehung galt als toxisch, geprägt von Aggression, Manipulation und Eifersucht. Ein Freund von Matthias R. sagte aus, dass Gina H. kontrollsüchtig war und ihren Partner isolierte. Sie selbst litt unter den Wutausbrüchen und dem Alkoholkonsum von Matthias R.
Interessanterweise war das Verhältnis zwischen Gina H. und Fabian eng. Der Junge nannte seine Stiefmutter manchmal Mama. Gina H. hat selbst einen Sohn, der nur ein Jahr jünger ist als Fabian.
Digitale Spuren und Beziehungsdrama
Im August 2025 trennten sich Matthias R. und Gina H. Eine Kommunikationsanalyse des Bundeskriminalamts zeigt, dass Gina H. wenig Interesse an der Familie hatte, aber dennoch intensiven digitalen Kontakt zu Fabians Vater pflegte. Besonders störte sie, dass Fabians leibliche Eltern wegen ihres gemeinsamen Kindes Kontakt hielten. Matthias R. gab bei der Polizei zu Protokoll, dass Gina H. einen Keil zwischen ihn und seine Ex-Partnerin treiben wollte.
Anfang Mai 2026 wurde bekannt, dass Fabians Vater und die mutmaßliche Mörderin wieder ein Paar sind. Matthias R. gab dies vor Gericht bekannt. Er glaubt an die Unschuld seiner Partnerin.
Weitere Männer im Leben der Angeklagten
Die Handyauswertung zeigt, dass Gina H. parallel mit mehreren Männern Kontakt hatte – sogar während der Suche nach Fabian. Sie verschickte anzügliche Nachrichten und Nacktbilder. Besonders relevant sind die sogenannten Tümpelzeugen Olaf K. und Christian D. Beide hatten intensiven Kontakt zu ihr und wurden von ihr zum Fundort der Leiche geführt. Sie sagten vor Gericht aus.
Olaf K. berichtete von einer anfänglichen Nachbarschaft, die sich zur Freundschaft entwickelte. Er half ihr täglich mit den Pferden – Gina H. ist eine begeisterte Reiterin. Er gab an, sie finanziell unterstützt zu haben, mit gelegentlich 10 bis 20 Euro. Auch Christian D. und ihre Großeltern halfen ihr finanziell. Gina H. hatte zuletzt nicht gearbeitet und war von Fabians Vater abhängig.
Ein anderer Bekannter warnte Olaf K. vor Gina H. Er sei selbst ihr Haus- und Hofsklave gewesen und habe jede freie Minute mit ihr verbracht. Trotz der Warnung blieb Olaf K. mit ihr befreundet – bis zu ihrer Festnahme.
Hilfsangebote bei Gewalt
Von häuslicher Gewalt betroffene Personen können sich an die Telefonseelsorge wenden: 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222. Das Opfer-Telefon des Weißen Rings ist unter 116 006 erreichbar. In akuten Notfällen hilft der Notruf 110. Frauen erhalten Unterstützung beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016. Männer erreichen das Männerhilfetelefon unter 0800 123 99 00.



