Das Studierendenparlament der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) hat am 9. Juli 2026 einen umstrittenen Antrag beschlossen, der die Beendigung von Kooperationen mit israelischen Hochschulen fordert. Der Antrag mit dem Titel „Solidarität mit Palästina – Beteiligung der HU am Völkermord beenden“ wurde von der Hochschulgruppe „Linke Liste an der HU – LiLi“ eingebracht und verlangt zudem einen Ausbau der Zusammenarbeit mit palästinensischen und libanesischen Universitäten. Die Entscheidung stößt bei Berliner Politikern von CDU und SPD auf scharfe Kritik.
Inhalt des Beschlusses: Boykott israelischer Hochschulen und Unterstützung für BDS
Der Antrag fordert die Universitätsleitung auf, bestehende institutionelle Kooperationen mit israelischen Hochschulen zu überprüfen und teilweise zu beenden. Zur Begründung heißt es, israelische Universitäten seien „direkt oder indirekt“ an Menschenrechtsverletzungen beteiligt – etwa durch Rüstungsforschung oder die Ausbildung von Soldaten der israelischen Armee. Die HU solle diese Verbindungen offenlegen und untersuchen.
Darüber hinaus spricht sich das Studierendenparlament für eine Beteiligung an der internationalen BDS-Kampagne (Boycott, Divestment and Sanctions) aus. Im Antrag wird BDS als „friedliche Form des Widerstandes“ bezeichnet, die „nicht antisemitisch“ sei. Die Bewegung ist jedoch stark umstritten: Kritiker werfen ihr vor, Israel einseitig zu delegitimieren und antisemitische Positionen zu fördern. Das Parlament fordert außerdem, dass keine Mittel der studentischen Selbstverwaltung für Veranstaltungen oder Projekte verwendet werden, die nach den Kriterien der BDS- und PACBI-Kampagne (einer Initiative für einen akademischen und kulturellen Boykott Israels) abgelehnt werden.
Ausbau der Zusammenarbeit mit palästinensischen und libanesischen Hochschulen
Neben dem Stopp bestimmter Kooperationen mit israelischen Einrichtungen verlangt der Antrag einen Ausbau der Zusammenarbeit mit palästinensischen und libanesischen Universitäten. Zudem soll die HU ein Stipendienprogramm für Studierende aus Palästina und dem Libanon prüfen, die von Krieg, Vertreibung oder Gewalt betroffen sind.
Scharfe Kritik aus der Politik: „Antisemitisch und wissenschaftsfeindlich“
Der Beschluss stößt bei Berliner Politikern auf heftige Ablehnung. Der CDU-Abgeordnete Timur Husein bezeichnete die Entscheidung gegenüber der B.Z. als antisemitisch und wissenschaftsfeindlich. Er betonte, dass das Studierendenparlament nicht die gesamte Universität repräsentiere und der Beschluss rechtlich keine unmittelbaren Folgen für die internationalen Beziehungen der Hochschule habe.
Der SPD-Abgeordnete Alexander Freier-Winterwerb kritisierte die Forderung nach einem akademischen Boykott scharf: „Wer israelische Universitäten boykottieren will, bekämpft nicht Krieg – sondern Wissenschaft, Dialog und Verständigung.“ Er erinnerte an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten auf dem nahe gelegenen Bebelplatz und erklärte: „Jede Form akademischer Diskriminierung sollte mit großer Entschlossenheit entgegengetreten werden.“
Auch der CDU-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Stefan Evers, äußerte sich kritisch: „Berliner Universitäten dürfen kein Ort sein, wo Antisemitismus unter akademischem Deckmantel geduldet wird. Wer Kooperationen mit israelischen Universitäten beenden will, greift die Wissenschaftsfreiheit an und sendet ein fatales Signal an jüdische Studierende und Wissenschaftler.“
Universität muss über Umsetzung entscheiden
Der Beschluss des Studierendenparlaments ist zunächst eine politische Forderung aus der studentischen Selbstverwaltung. Ob und in welcher Form daraus Konsequenzen für bestehende Partnerschaften der HU entstehen, entscheidet nicht das Studierendenparlament allein. Die Universitätsleitung müsste prüfen, welche rechtlichen und wissenschaftlichen Auswirkungen eine Änderung internationaler Kooperationen hätte. Bestehende Forschungs- und Austauschprogramme mit israelischen Hochschulen könnten von den Forderungen betroffen sein.



